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Wie stellt man einen Betrieb auf Ökolandbau um?

Letzte Aktualisierung: 25. November 2025

Umstellen auf Ökolandbau – klingt einfach, ist aber anspruchsvoll. Betriebe müssen diesen Schritt sorgfältig planen und vieles beachten.

Eine Landwirtin in einem Verkaufsstand
Bio-Betriebe verkaufen ihre Ware häufig direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher.
Quelle: Fertnig via Getty Images

In Kürze


Die Umstellung eines konventionellen landwirtschaftlichen Betriebs auf ökologische Erzeugung ist ein anspruchsvoller Schritt, der gut vorbereitet und umgesetzt werden muss. Denn auf einem Bio-Betrieb gestalten sich die Arbeitsabläufe und die Vermarktung grundlegend anders als im konventionellen Bereich, egal ob der Schwerpunkt in der Tierhaltung, im Ackerbau oder im Anbau von Obst oder Gemüse liegt.

So erfordert zum Beispiel der im Bio-Anbau vorgeschriebene Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel ein ganz anderes Know-how im Anbau von Getreide, Kartoffeln und anderen Kulturen. Der Betrieb muss zum Beispiel seine Fruchtfolge anpassen und um neue Kulturen erweitern. Außerdem muss er mit ungewohnten Sorten arbeiten und das Unkraut mechanisch per Hacke und Striegel regulieren statt per Pflanzenschutzspritze.

Die Erträge sinken bei allen Kulturen – zum Teil um 50 Prozent und mehr. Das müssen vor allem tierhaltende Betriebe bei der Umstellungsplanung berücksichtigen, um den Tierbestand an die zu erwartende Futtermenge anzupassen. Umgekehrt hängt von der Zahl der Nutztiere ab, wie viel betriebseigener Dünger in Form von Mist und Gülle zur Verfügung steht. Diese haben im Ökolandbau eine viel größere Bedeutung als im konventionellen Anbau und sind die zentrale Nährstoffquelle für den Betrieb. Ebenso spielt der Anbau von Leguminosen wie Klee oder Erbsen eine bedeutendere Rolle im ökologischen Ackerbau. Denn Pflanzen dieser Pflanzenfamilie sind in der Lage Luftstickstoff zu binden und im Boden anzureichern.

Vermarktung wird anspruchsvoller

Auch die Vermarktung muss gut geplant werden. Denn anders als im konventionellen Bereich, wo es für Milch, Getreide und andere Lebensmittel in allen Regionen größere Abnehmer gibt, ist dies im Öko-Bereich nicht selbstverständlich. Deshalb muss ein Betrieb unbedingt vor der Umstellung prüfen, ob es in der Umgebung auch tatsächlich Abnehmer für die erzeugte Bio-Ware gibt. Eine interessante Alternative kann auch die Direktvermarktung sein, bei der die Erzeugnisse ab Hof oder auf Märkten direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft werden.

Vor der Umstellung muss jeder Betrieb entscheiden, nach welchem Bio-Standard er arbeiten möchte: allein nach EU-Bio-Standard oder zusätzlich auch nach den strengeren Richtlinien eines ökologischen Anbauverbands wie Bioland, Naturland oder Demeter.

Eine Landwirtin und ein Landwirt kontrollieren Unkraut auf einem Acker
Vor allem das Unkrautmanagement ist im ökologischen Anbau eine große Herausforderung.
Quelle: fotografixx via Getty Images

Höhere Preise für Verbandsware

Etwa die Hälfte der circa 36.500 Bio-Betriebe in Deutschland wirtschaftet nach dem EU-Standard, die andere Hälfte hat sich einem Bio-Verband angeschlossen. Die geringeren Anforderungen des EU-Standards lassen sich für die Betriebe leichter erfüllen. Außerdem dürfen auch Teilflächen des Betriebes auf Ökolandbau umgestellt werden, während andere Teilflächen weiterhin konventionell bewirtschaftet werden, was die Umstellung erleichtern kann. Mit Bio-Ware mit Verbandssiegel lassen sich dagegen in der Regel höhere Preise erzielen, allerdings muss der gesamte Betrieb nach den Richtlinien des Bioverbands bewirtschaftet werden.

Ohnehin muss jeder Betrieb die Wirtschaftlichkeit der Umstellung sehr genau kalkulieren und prüfen, ob der Mehraufwand im Ackerbau und/oder der Tierhaltung sowie die Mindererträge durch ausreichende Mehrerlöse für Bio-Ware ausgeglichen wird. Einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leisten auch spezielle Fördermittel für den Bio-Anbau, die zusätzlich zu den EU-Flächenprämien vom jeweiligen Bundesland gezahlt werden. Diese Mittel müssen vor der Umstellung beantragt werden. Betriebe mit teilweiser Umstellung haben keinen Anspruch auf die Öko-Förderung.

Für die vielen notwendigen Entscheidungen, Kalkulationen, Anträge und fachlichen Herausforderungen in der Erzeugung nutzen viele Betriebe vor und während der Umstellung eine externe Beratung. Das sind häufig Beraterinnen und Berater von Anbauverbänden, Landwirtschaftskammern oder privaten Einrichtungen. Die Kosten für die Beratungsleistung trägt in der Regel der Betrieb.

Schwierige Umstellungsphase

Die Umstellung beginnt mit der Anmeldung des Betriebs bei einer Öko-Kontrollstelle, einer staatlich zugelassenen Zertifizierungsstelle, die für die Kontrolle der Einhaltung der Bio-Standards in der Erzeugung und Weiterverarbeitung zuständig ist. Nach der Anmeldung beginnt die sogenannte Umstellungsphase, die 24 Monate dauert. Bei Betrieben mit Dauerkulturen wie Obst und Wein sind es 36 Monate.  

Diese Phase ist aus wirtschaftlicher Sicht die schwierigste. Denn die Produkte müssen in dieser Zeit nach den jeweiligen Bio-Richtlinien erzeugt werden, also mit größerem Aufwand und geringeren Erträgen. Die erzeugten Lebensmittel können dagegen nur als Umstellungsware vermarktet werden und damit nur zu konventionellen Preisen beziehungsweise mit geringen Preisaufschlägen im zweiten Jahr. Erst ab dem dritten Jahr können die höheren Bio-Preise aufgerufen werden. Bei Betrieben mit Dauerkulturen ist dies sogar erst ab dem vierten Jahr möglich.

Nach der Anmeldung zur Umstellung bei der Kontrollstelle muss jeder Betrieb eine Betriebsbeschreibung erstellen. Diese Beschreibung umfasst neben Angaben zu Flächen, Tierbeständen und Grundrissen von Stallgebäuden auch ausführliche Informationen zu aktuellen Zu- und Verkäufen sowie zu den Produktions- und Verarbeitungsprozessen.

Ein Landwirt sitzt an einem Tisch und liest in Dokumenten
Bei der jährlichen Kontrolle müssen Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte alle relevanten Betriebsunterlagen vorlegen.
Quelle: SolStock via Getty Images

Bio-Betriebe werden intensiv kontrolliert

Die Betriebsbeschreibung bildet die Grundlage für eine Prüfung des Betriebs während der Umstellungsphase durch die zuständige Kontrollstelle. Dabei wird zum Beispiel festgestellt, ob die Futtermittelzukäufe, Stallanlagen oder eingesetzte Düngemittel den Vorgaben des Ökolandbaus entsprechen. Werden dabei Mängel festgestellt, muss der Betrieb diese bis zum Ende der Umstellungsphase beheben.

Auch nach abgeschlossener Umstellung wird jeder Bio-Betrieb regelmäßig auf Einhaltung der Bio-Vorgaben kontrolliert, meist ein Mal pro Jahr. Jeder Betrieb muss dafür zu einem vereinbarten Termin alle erforderlichen Unterlagen bereitlegen. Neben den angemeldeten Hauptkontrollen werden in einer Stichprobenkontrolle etwa zehn Prozent der Bio-Betriebe unangekündigt geprüft.


Weitere Informationen

Oekolandbau.de: Umstellung auf ökologischen Landbau


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