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Warum benötigt die Landwirtschaft so viele ausländische Erntehelferinnen und Erntehelfer?

Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2025

Die Obst- und Gemüseernte von Hand ist schwere körperliche Arbeit, die nur wenige Deutsche machen möchten.

Viele landwirtschaftliche Kulturen wie Radieschen werden per Hand geerntet. Diese schwere körperliche Arbeit wird überwiegend von ausländischen Saisonarbeitskräften erledigt.
Quelle: landpixel.de

In Kürze


Die Corona-Krise hat einmal mehr gezeigt, wie stark Teile der deutschen Landwirtschaft auf Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind. Ohne die Hilfe dieser vielen Tausend Erntehelferinnen und Erntehelfer würde vieles an Obst und Gemüse ungeerntet auf den Feldern verbleiben und verrotten. Doch warum ist die hochmoderne deutsche Landwirtschaft so stark auf Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen?

Erntehelferinnen und Erntehelfer ernten empfindliches Obst und Gemüse

Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Fortschritte auf allen Ebenen haben dazu geführt, dass heute eine Landwirtin oder ein Landwirt im Schnitt 147 Menschen ernähren kann – 1960 waren es gerade einmal 17. Vor allem der Einsatz moderner Erntetechnik hat zu dieser Entwicklung beigetragen: So erntet ein Mähdrescher einen Hektar (10.000 Quadratmeter) Getreide heute in weniger als zwei Stunden. 1950 waren dafür noch 30 Stunden und 1910 sogar 150 Stunden nötig.

Aber auch heute gibt es noch Kulturen, die viel Handarbeit erfordern. Dazu zählen zum Beispiel Erdbeeren, Äpfel, Tomaten oder Spargel. Zwar konnte auch hier ein Großteil der Arbeiten wie Pflanzung, Unkrautbeseitigung, Pflanzenschutz und Düngung mechanisiert werden. Geerntet werden müssen die Früchte aber noch per Hand, weil Maschinen bei den empfindlichen Früchten zu viel Schaden anrichten würden.

Apfelernte im rheinischen Meckenheim
Äpfel zählen zu den Obstsorten, die von Hand geerntet werden.
Quelle: Thomas Stephan - BLE

Nur wenige Deutsche wollen als Erntehelferin oder Erntehelfer arbeiten

Solch eine Ernte per Hand ist meist schwere körperliche Arbeit. So arbeiten beispielsweise Erdbeerpflückerinnen und Erdbeerpflücker Tag für Tag mehrere Stunden in gebückter Haltung auf dem Feld – teils bei großer Hitze. Der Verdienst fällt bei solchen Tätigkeiten jedoch meist sehr gering aus – selten gibt es mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.

In Deutschland gibt es nur sehr wenige Menschen, die solche Arbeit machen wollen. Viele Obst- und Gemüsebaubetriebe sind daher auf Erntehelferinnen und Erntehelfer aus dem Ausland angewiesen. Nach Angaben des Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) kommt der weit überwiegende Teil davon aus Rumänien und Polen.

Den Daten der letzten Agrarstrukturerhebung zufolge arbeiteten 2023 rund 243.000 Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft – das sind etwa 28 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Damit hat sich die Zahl der Saisonarbeitskräfte insgesamt seit 2013 um rund drei Prozent verringert.

Schon seit Jahren gibt es zu wenige Erntehelferinnen und Erntehelfer

Bereits seit Jahren beklagen viele Betriebe in Deutschland einen Mangel an Saisonkräften. Laut GLFA gibt es dafür verschiedene Gründe. Zum einen haben die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in Polen und Rumänien dazu geführt, dass das Interesse an Saisontätigkeiten in der deutschen Landwirtschaft abgenommen hat.

Hinzu kommt: Die landwirtschaftlichen Betriebe stehen in direktem Wettbewerb um Saisonarbeitskräfte mit anderen Wirtschaftszweigen – zum Beispiel Baugewerbe, Tourismus oder Gastronomie –, die je nach Konjunkturlage besser bezahlen.

Sorgen machen die Mindestlöhne

Sehr viel Sorgen macht den deutschen Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben zudem der steigende Mindestlohn. Denn die Lohnkosten bilden bei vielen Betrieben einen großen Teil der anfallenden Kosten. Da die Löhne in südeuropäischen, nordafrikanischen Staaten sowie in Übersee deutlich niedriger sind, sind die heimischen Erzeugungsbetriebe nicht mehr konkurrenzfähig. Deshalb wird über die Herabsetzung des Mindestlohns für Saisonarbeitskräfte diskutiert.


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH): Beschäftigung und Mindestlohn

DEGA: Woher kommen künftig Saisonarbeitskräfte?


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