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Soja - Nahrungsmittel für Tier und Mensch

Soja ist als Öl- und Eiweißpflanze heute in aller Munde. Das hat Folgen für Mensch und Tier, Umwelt und Klima – regional und global.

Bei uns wenig bekannt, doch weltweit eine der wichtigsten Nutzpflanzen: die Sojabohne.
Quelle: Monika Witte

Soja ist in – keine andere Pflanze hat in den letzten  Jahrzehnten einen so rasanten Aufstieg erlebt. Neben Weizen, Mais und Reis ist Soja heute weltweit eine der wichtigsten Kulturpflanzen. Auf rund 125 Millionen Hektar summiert sich die weltweite Anbaufläche nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums.

Dennoch ist die Pflanze hierzulande weniger bekannt. Denn die Bohne wird überwiegend in Übersee angebaut – auf heimischen Feldern ist sie kaum verbreitet. In wie vielen Lebensmitteln und Produkten des täglichen Gebrauchs sie sich tatsächlich versteckt, ist uns meist gar nicht bewusst.

Soja ist eine wichtige Eiweißquelle

Die Sojabohne gehört mit Erbse und Linse zur Familie der Hülsenfrüchte. Beheimatet ist sie in den Subtropen Chinas. Mittlerweile gibt es Sorten, die auch in den gemäßigten Zonen Nordamerikas und Europas gut gedeihen. Sie punktet mit vielen Mineralstoffen und Vitaminen sowie einem Ölgehalt von knapp 20 Prozent und reichlich ungesättigten Fettsäuren. 

Vor allem aber enthält sie viel und hochwertiges Eiweiß - mit 40 Prozent doppelt so viel wie Linse und Erbse. Das macht Soja gerade für Menschen, die tierische Produkte weitgehend oder gänzlich vom Speiseplan gestrichen haben, zu einer wichtigen Eiweißquelle.

Unsichtbar – doch allgegenwärtig

Lediglich 10 bis 20 Prozent der Sojabohnen werden für den menschlichen Verzehr genutzt.
Quelle: aki - stock.adobe.com

Trotz der wertvollen Inhaltsstoffe werden weltweit schätzungsweise nur zwei Prozent aller Sojabohnen direkt verzehrt – als ganze Bohnen oder weiterverarbeitet zu Tofu. 98 Prozent der Bohnen werden zu Sojaöl (ca. 20 Prozent) und -schrot (ca. 80 Prozent) verarbeitet.  Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Sojabohnen, die für den menschlichen Verzehr genutzt werden, bei insgesamt 10 bis 20 Prozent.

Das gewonnene Sojaöl wird zum überwiegenden Teil als Speiseöl genutzt und zahlreichen Fertigprodukten beigemengt. Sojaschrot kann beispielsweise zu Bratlingen weiterverarbeitet werden. Sojalecithin (E322), ein fettähnlicher Stoff, ist als Emulgator in zahlreichen Lebensmitteln, etwa in Schokoladenprodukten, enthalten.

Auch in Kosmetika, Lacken und Farben verbirgt sich Sojaöl. Und es dient als Rohstoff für Biodiesel. Ob in der Küche, im Bad, in der Werkstatt oder beim Autofahren, die Bohne begleitet uns – meist unbemerkt –  auf Schritt und Tritt.  In rund 30.000 industriell erzeugten Produkten ist sie enthalten. 

Kaum zu ersetzen – Soja als Futtermittel

Haupteinsatzbereich für Soja aber ist die Nutztierhaltung. Wegen des hohen Eiweißgehalts und des Verbots der Verfütterung von Tiermehl im Jahr 2001 ist Soja ein höchst begehrtes Futtermittel für Hühner, Schweine und Rinder. Zwar können deutsche Tierhalterinnen und -halter mit Gras, Getreide und Mais einen Großteil des Futterbedarfs für ihre Tiere aus heimischem Anbau decken. Eiweißreiche Futtermittel, wie Soja oder andere Hülsenfrüchte, werden jedoch weder in Deutschland noch in der EU in ausreichend großen Mengen erzeugt.

Deutschland importiert daher rund 26 Prozent des im Tierfutter enthaltenen Eiweißes – einen Großteil davon als Soja – aus Südamerika und den USA. Im Jahr 2017 führte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 5,8 Millionen Tonnen Soja (in Form von Sojabohnen, Sojaschrot und Sojaöl) ein und ist damit Spitzenreiter in der EU. Um das nach Deutschland importierte Soja anzubauen, wird in den Sojaanbauländern – das sind vor allem Brasilien, die USA und Argentinien – eine Fläche von rund 2,3  Millionen Hektar benötigt.

Ökologisch bedenklich - Sojaanbau in Übersee

In der Cerrado-Region im Südosten Brasiliens wird immer mehr Savanne in Sojaplantagen umgewandelt.
Quelle: josemoraes via Getty Images

Brasilien hat inzwischen die USA als größter Soja-Produzent  abgelöst. Von 1997 bis 2017 hat sich die Anbaufläche dort annähernd verdreifacht . Wo früher artenreiche Wälder standen, wächst heute Soja. In den Regenwaldgebieten des Amazonas konnte diese Entwicklung durch ein 2006 beschlossenes Soja-Moratorium  zumindest gebremst werden. Umso stärker bedroht ist die Cerrado-Region im Südosten Brasiliens. In den artenreichen Savannen, die das zweitgrößte Ökosystem Brasiliens bilden, sind in den vergangenen Jahren großflächig Sojafelder angelegt worden.

Wo immer Wald durch Sojaplantagen ersetzt wird, hat das massive Folgen für die Umwelt. Mit der Ausweitung des Sojaanbaus verlieren nicht nur zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum.  Großflächige Brandrodungen schaden auch dem Klima, denn der Kohlenstoff in der pflanzlichen Biomasse wird als klimaschädliches Kohlenstoffdioxid freigesetzt.

Ökologisch ebenfalls bedenklich ist der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Mehr als 95 Prozent  der in Südamerika angebauten Bohnen sind gentechnisch verändert. Damit sind sie resistent gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Sämtliche Pflanzen, die damit besprüht werden, sterben ab und nur die gentechnisch entsprechend veränderte Sojapflanze überlebt. Das ermöglicht eine einfache und effektive Unkrautbekämpfung, geht aber zulasten der Bodenfruchtbarkeit und der Artenvielfalt.

In Deutschland und der EU ist Glyphosat Gegenstand erbitterter Diskussionen und soll nach Plänen der Bundesregierung ab 2024 komplett verboten werden. In Südamerika wird es vielerorts massiv und großflächig eingesetzt, womit Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Landwirtinnen und Landwirte verbunden sind.

Wirtschaftlich ist der Export von Sojabohnen für Länder wie Brasilien oder Argentinien eine bedeutende Einnahmequelle. Für die Menschen in den Sojaanbaugebieten gilt das jedoch nur sehr eingeschränkt. Da aufgrund des hohen Mechanisierungsgrads vergleichsweise wenig Arbeitskräfte benötigt werden, profitiert nur ein kleiner Teil der lokalen Bevölkerung wirtschaftlich vom Sojaanbau. Ganz im Gegenteil kann es sogar die Nahrungsmittelversorgung und die Existenzgrundlage der lokalen Bevölkerung gefährden, wenn Soja auf Flächen angebaut wird, die vorher zur Selbstversorgung dienten. 

Gentechnisch verändertes Soja im Tierfutter

Futtermittel, die gentechnisch verändertes Soja enthalten, müssen entsprechend gekennzeichnet werden.
Quelle: BLE

Angesichts der wichtigen Rolle von Soja als Futtermittel und des hohen Anteils gentechnisch veränderter Sorten liegt es auf der Hand, dass die meisten Kühe, Schweine und Hühner in Deutschland Futter erhalten, das zumindest teilweise aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen wurde.

Diese Futtermittel müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Die damit erzeugten Lebensmittel unterliegen jedoch nach dem europäischen Lebensmittelrecht keiner Kennzeichnungspflicht. Verbraucherinnen und Verbraucher können also nicht erkennen, ob tierische Produkte wie Milch, Joghurt, Fleisch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden.

Die negativen Umweltauswirkungen beim Anbau in Südamerika sowie die starken Vorbehalte deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber der Gentechnik sind zwei gewichtige Gründe, verstärkt Soja auch in Deutschland anzubauen, um unabhängiger von Importen zu werden.

Dieses Ziel verfolgt auch die Bundesregierung, die im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie seit einigen Jahren unter anderem den Sojaanbau fördert. Tatsächlich ist die Sojaanbaufläche in Deutschland rasant gewachsen: von 1.000 Hektar im Jahr 2008 auf über 29.000 Hektar im Jahr 2019. Gemessen am enormen Futterverbrauch fällt das jedoch nach wie vor kaum ins Gewicht: die rund 62.000 Tonnen Sojabohnen, die 2018 in Deutschland geerntet wurden, entsprechen lediglich gut einem Prozent der importierten Menge von 5,8 Millionen  Tonnen.

Was kann ich beim Einkauf beachten?

Was aber können Verbraucherinnen und Verbraucher tun, die möglichst umweltverträglich und gentechnikfrei einkaufen wollen?

Wer beim Kauf tierischer Produkte so weit wie möglich ausschließen möchte, dass bei der Erzeugung gentechnisch veränderte Futtermittel zum Einsatz gekommen sind, kann entweder auf Biolebensmittel zurückgreifen oder nach Produkten mit der "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung Ausschau halten. Über dieses Siegel können Hersteller auf freiwilliger Basis kennzeichnen, dass ihre Produkte unter Verzicht auf gentechnisch veränderte und kennzeichnungspflichtige Futtermittel erzeugt worden sind.

Das EU-Biosiegel sowie die Siegel der Bio-Anbauverbände signalisieren darüber hinaus, dass beim Anbau keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden. Auch Biosoja wird zum größten Teil importiert, hier spielen aber Anbauländer in Süd- und Osteuropa eine wichtigere Rolle.

Wichtigste Stellschraube im Hinblick auf den wachsenden Flächenverbrauch und die damit in vielen Anbauländern einhergehenden negativen Umweltwirkungen ist der maßvolle Konsum tierischer Produkte. Wer zum Beispiel der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung folgt und nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu sich nimmt, tut nicht nur etwas für seine Gesundheit, sondern verringert auch seinen ökologischen Fußabdruck.


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): Eiweißpflanzenstrategie


Gentechnik in Futtermitteln

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