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Wie unterscheiden sich Silo- und Körnermais?

Mais kann vielseitig verwertet werden. In Deutschland dominiert die Nutzung als Silomais.

Dreschen von Körnermais
Bei der Nutzung als Körnermais werden die Maispflanzen wie andere Getreidearten gedroschen und nur die Körner geerntet.
Quelle: fotokostic via Getty Images

In Deutschland wurde 2023 auf etwa 2,5 Millionen Hektar Mais angebaut. Die Maisfelder präsentieren sich bis in den August hinein üblicherweise in sattem Grün. Dann wird der Silomais geerntet, der auf rund 80 Prozent der Anbaufläche wächst. Zum Teil sieht man aber auch Monate später noch graubraune, vertrocknete Maisbestände, die scheinbar ungenutzt verrotten. Das tun sie jedoch keineswegs, es handelt sich vielmehr um Körnermais, der je nach Region noch bis Ende November geerntet wird.

Silomais wird grün geerntet

Der Erntezeitpunkt ist nur einer von vielen grundlegenden Unterschieden zwischen Körner- und Silomais. Beim Körnermais werden ausschließlich die Körner geerntet, wie bei Weizen und anderen Getreidearten. Alle anderen Pflanzenteile verbleiben auf dem Acker. Dagegen nutzt man bei Silomais neben den Körnern und der Kolbenspindel auch die grünen Blätter und Stängel der Pflanze. Die Körner sind zum Erntezeitpunkt noch nicht voll ausgereift.

Einen weiteren Unterschied gibt es bei der Haltbarmachung der Ernte. Körnermais wird relativ spät geerntet, damit die Körner auf dem Feld komplett ausreifen können und möglichst viel Feuchte verlieren. Damit die Körner nicht verderben, dürfen sie vor der Einlagerung nur maximal 15 Prozent Wasser enthalten. Liegt der Wassergehalt bei der Ernte höher, müssen die Körner zum Haltbarmachen noch getrocknet werden.

Silomaisernte mit Häcksler
Bei Silomais wird die gesamte Pflanze grün geerntet. Ein Häcksler zerkleinert das Material und überführt es auf einen Transportwagen.
Quelle: liorpt via Getty Images

Milchsäurebakterien machen Maissilage haltbar

Bei Silomais nutzt man dagegen die Aktivität von Milchsäurebakterien zur Konservierung, vergleichbar mit der Herstellung von Sauerkraut. Ein Häcksler zerkleinert auf dem Feld Körner, Kolben und Restpflanze und befördert das Material auf einen Transportwagen. Dann wird das Material in ein Silo gefahren, mit schweren Maschinen verdichtet und mit einer Plastikfolie abgedeckt. Auf diese Weise lagert der Mais fast luft- beziehungsweise sauerstofffrei.

Die an der Pflanze anhaftenden Milchsäurebakterien können sich in diesem sauerstofffreien Milieu stark vermehren und senken den pH-Wert durch Ausscheidung von Milchsäure so weit ab, dass die Silage monatelang gelagert werden kann.

Körnermais liefert besonders viel Energie

Körnermais ist in der Tierfütterung besonders gefragt, weil er die höchste Energiedichte aller Getreidearten aufweist.  Das macht ihn vor allem als Kraftfutter in der Schweine- und Geflügelmast attraktiv, weil die Tiere durch die hohe Energiezufuhr schnell an Gewicht zunehmen.

Silomais ist in der Rinderhaltung ein beliebtes Futtermittel – insbesondere in der Milchviehhaltung und Bullenmast. Dabei enthält Maissilage nur etwa halb so viel Energie wie Körnermais.

Dass Rinder dennoch mit Silage gefüttert werden, liegt an ihrem besonderen Verdauungssystem. Als Wiederkäuer brauchen sie höhere Anteile an weniger energiereichem Pflanzenmaterial, damit ihr Pansenmagen nicht übersäuert.  

Schweine und Geflügel können dagegen energiereiches Kraftfutter ohne Einschränkung direkt und in großen Mengen verwerten.

Silomais spielt aber nicht nur als Futtermittel eine wichtige Rolle. Etwa ein Drittel des angebauten Silomaises wird als wertvolles Substrat für Biogasanlagen eingesetzt.

Festfahren von Maissilage
Im Silo wird das zerkleinerte Material festgefahren und anschließen luftdicht mit Folie abgedeckt.
Quelle: JackF via Getty Images

Anbauschwerpunkte im Süden

Körnermais wird in Deutschland überwiegend in klimatischen Gunstlagen mit viel Wärme und einer langen Vegetationszeit angebaut. Denn unter diesen Bedingungen sind die höchsten Erträge zu erwarten, die den Anbau wirtschaftlich machen. Das gilt zum Beispiel für den Oberrheingraben in Baden-Württemberg und für Teile Bayerns. Silomais kann dagegen bei passender Sortenwahl nahezu überall in Deutschland erfolgreich angebaut werden.

Für beide Nutzungsvarianten gibt es spezielle Sorten. So zeichnen sich Körnermaissorten zum Beispiel durch eine gute Standfestigkeit aus. Das ist wichtig, damit die Pflanzen auch bei später Ernte nicht umknicken und leicht geerntet werden können. Silomaissorten sollen dagegen – bei guter Verdaulichkeit für Wiederkäuer – möglichst hohe Energiegehalte in Form von Stärke für die Milcherzeugung und Mast liefern.

Flexible Sorten ermöglichen beide Formen der Nutzung

Es gibt jedoch auch Sorten, die eine flexible Nutzung ermöglichen.  Das heißt, diese Sorten können als Silo- oder als Körnermais genutzt werden. Betriebe können sich dann bis in den August mit der Entscheidung Zeit lassen, ob ein Bestand als Silomais genutzt werden soll. Abhängig ist diese Entscheidung unter anderem vom Witterungsverlauf und dem zu erwartenden Ertrag, dem Futterbedarf des Betriebs und dem jeweils aktuell erzielbaren Marktpreis für Körnermais. 

Letzte Aktualisierung: 1. Dezember 2023


Weitere Informationen

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