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Warum die einen pflügen und die anderen nicht

Der Pflug ist kein unverzichtbares Arbeitsgerät in der Landwirtschaft. Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland arbeiten ohne ihn.

Traktor mit einem Vierscharpflug im Einsatz auf dem Acker.
Mit dem Pflug wird der Boden gewendet, sodass anschließend nur noch blanke Erde zu sehen ist.
Quelle: DieterMeyrl via Getty Images

Der Pflug ist für die meisten von uns untrennbar mit der Landwirtschaft verbunden. Manche mag es daher wundern, dass viele Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland gar keinen Pflug verwenden. Ein Experte der Fachzeitschrift "Landwirtschaft ohne Pflug" schätzt, dass rund 50 Prozent der Betriebe ihre Böden ganz oder zumindest teilweise pfluglos bearbeiten.

Doch was bedeutet das: Pfluglos arbeiten? Und weshalb kommen die einen besser mit und die anderen besser ohne Pflug klar?

Was macht ein Pflug?

Ein Pflug ist ein Arbeitsgerät, dessen Schare die Erde bis in eine Tiefe von 25 bis 30 Zentimetern messerartig unterschneiden und wenden. Das Wenden des Bodens hat zur Folge, dass dort, wo vorher noch Pflanzenreste und Unkraut das Bild auf dem Acker bestimmten, nach dem Pflügen nur noch blanke Erde zu sehen ist. Landwirtinnen und Landwirte nennen diesen Zustand auch "reinen Tisch".

Das Pflügen dient vor allem dazu, den Boden zu lockern, zu durchlüften, oberflächliche organische Masse (Erntereste und Unkraut) einzuarbeiten und Bodenschichten zu durchmischen. Bevor die Kulturpflanzen später ausgesät werden, muss der gepflügte und meist unebene – Ackerboden noch mit anderen Arbeitsgeräten wie Egge und Walze bearbeitet werden, damit das Saatgut schließlich in einen feinkrümeligen, ebenen und unkrautfreien Boden abgelegt werden kann.

Es geht auch pfluglos

Sinn und Zweck der pfluglosen Bodenbearbeitung ist es dagegen, den Boden so wenig wie möglich zu bearbeiten. Besonders extrem ist das bei der sogenannten Direktsaat. Bei diesem Verfahren wird das Saatgut lediglich über einen mechanisch geschaffenen Saatschlitz in den komplett unbearbeiteten, noch bewachsenen Boden eingebracht.

Acker mit jungen Zuckerrübenpflanzen
Bei der Mulchsaat wird der Boden nur flach bearbeitet und nicht gewendet. Die Folgekultur wird in die verbleibenden Pflanzenreste hineingesät.
Quelle: landpixel.de

Die meisten pfluglos wirtschaftenden Betriebe in Deutschland arbeiten mit dem sogenannten Mulchsaatverfahren. Dabei wird der Boden nicht gewendet, sondern nur gelockert und durchmischt – meist sehr viel weniger tief als beim Pflügen.

Viele Landwirtinnen und Landwirte verwenden dafür den Grubber, dessen Werkzeuge den Boden bis in eine Tiefe von fünf bis maximal 20 Zentimetern lockern. Pflanzenreste der Vorkultur verbleiben bei der Mulchsaat zu 30 bis 70 Prozent an der Oberfläche und bedecken den Boden später. Der Rest wird in die oberste Bodenschicht eingemischt.

Kurz vor der Aussaat findet dann meist noch eine weitere flache Bodenbearbeitung statt. Dabei wird der Boden, meist mit einer Egge, für die Saat vorbereitet, damit das Saatgut in ein feinkrümeliges und ebenes Saatbeet abgelegt werden kann.

Beides hat Vor- und Nachteile

Der Vorteil der Mulch- und Direktsaat gegenüber den Verfahren mit Pflug ist: An der Oberfläche bleibt eine Schicht aus organischem Material erhalten, die den Boden vor Erosion und Verschlämmung schützt. Weil der Boden gar nicht oder nur flach bearbeitet wird, werden außerdem die im Boden lebenden Organismen geschützt und die Bodenstruktur erhalten. Das macht den Boden tragfähiger. Das heißt, der Boden wird beim Befahren mit schweren Maschinen weniger geschädigt.

Die verbesserte Bodenstruktur sorgt auch dafür, dass Wasser besser gespeichert und von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Außerdem ist dieses Verfahren weniger zeit- und energieintensiv und spart somit Geld – ein weiterer wichtiger Grund für Landwirtinnen und Landwirte auf den Pflug zu verzichten.

Die pfluglose Bearbeitung hat aber auch Nachteile: Ein Problem ist zum Beispiel, dass der Unkrautbewuchs auf dem Acker in der Regel stark zunimmt, denn Unkrautreste und -samen werden nicht in tiefere Bodenschichten vergraben wie beim Pflügen. Viele konventionell arbeitende Landwirtinnen und Landwirte lösen dieses Problem, indem sie chemische Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) einsetzen – häufig wird das Totalherbizid Glyphosat dafür verwendet.

gelbes Feld
Nach dem Einsatz glyphosathaltiger Herbizide sterben alle Pflanzen auf dem Acker ab. Erkennbar ist das an der flächendeckenden gelblichen Färbung.
Quelle: Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Der Einsatz dieses umstrittenen Herbizids wird wegen eines EU-weiten Verbots ab Ende 2023 aller Voraussicht nach nicht mehr möglich sein, was viele pfluglos arbeitende Betriebe vor Probleme stellt. Denn sie müssen dann auf Mittel zurückgreifen, die teurer sind und ein sehr viel eingeschränkteres Wirkspektrum haben. Öko-Landwirtinnen und -Landwirten steht die Option des Herbizideinsatzes ohnehin nicht zur Verfügung, weshalb die meisten Öko-Betriebe auch noch zum Pflug greifen.

Ein anderes Problem der pfluglosen Verfahren ist, dass sich die Böden wegen der an der Oberfläche verbleibenden Pflanzenreste im Frühjahr langsamer erwärmen und schlechter abtrocknen. Dadurch beginnen die Böden auch erst später damit, die in der organischen Masse des Bodens gebundenen Nährstoffe zu mineralisieren – das heißt, für die Pflanzen verfügbar zu machen.

Konventionelle Ackerbaubetriebe begegnen dem Problem, indem sie schnelllösliche synthetische Stickstoffdünger ausbringen, die von den Pflanzen schnell aufgenommen werden können. Im Öko-Landbau, wo man allein auf organische Stickstoffquellen setzt, kann es dadurch zu Problemen mit der Nährstoffversorgung der Pflanzen kommen.

Pfluglos nicht besser fürs Klima

Lange Zeit galt die pfluglose Bearbeitung als besonders klimaschonend. Man nahm an, dass durch das Verrotten der organischen Substanz in der obersten, gut durchlüfteten Bodenschicht insgesamt auf pfluglos bearbeiteten Äckern mehr Humus im Boden angereichert würde. Humus macht Böden nicht nur besonders fruchtbar, sondern ist auch in der Lage, größere Mengen an Kohlenstoff längerfristig im Boden zu speichern.

Untersuchungen des Thünen-Instituts aus dem Jahr 2019 belegen jedoch, dass pfluglos bearbeitete Böden gar nicht klimafreundlicher sind. Es sei zwar richtig, dass in ihnen mehr Humus an der Bodenoberfläche angereichert würde. Dafür seien die tieferen Bodenschichten aber humusärmer, weil der Humus aus dem Oberboden nicht – wie mit dem Pflug – in die unteren Bodenschichten eingearbeitet würde. Betrachtet man das gesamte Bodenprofil, unterscheiden sich die Humusvorräte deshalb oft kaum zwischen den verschiedenen Bodenbearbeitungsvarianten, so das Thünen-Institut. Zum gleichen Ergebnis kam Ende 2021 eine umfassende Metaanalyse  der Universität Basel.

Eine weitere Erkenntnis aus diesen wissenschaftlichen Untersuchungen und Analysen: Pfluglos bearbeitete Böden weisen auch höhere Lachgasemissionen auf. Lachgas ist ein Treibhausgas mit fast 300-mal größerer Klimawirksamkeit als CO2.

Letzte Aktualisierung: 13. Oktober 2022


Weitere Informationen

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Bayerischer Rundfunk (BR): Bio-Landwirtschaft ohne Pflug – Wie geht das?


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