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Geflügelfleisch

Geflügelfleisch ist bei den Deutschen beliebt wie nie zuvor. 12,5 Kilogramm verzehrt jeder pro Jahr – das sind fast drei Kilogramm mehr als noch vor 20 Jahren. Und das, obwohl der Fleischkonsum in Deutschland eigentlich zurückgeht.

Interessante Zahlen und Fakten zur Geflügelfleischerzeugung in Deutschland:
Regionale Verteilung und Entwicklung der Tierbestände in Deutschland
Produktion und Versorgung mit Fleisch

Bodenhaltung von Geflügel
Masthähnchen werden überwiegend in Bodenhaltung gemästet.
Quelle: Christian Mühlhausen - landpixel.eu

Was genau ist Geflügel?

Als Geflügel gelten Mast- und Suppenhühner, Puten, Enten, Gänse, Perlhühner, Wachteln und Fasane. Masthähnchen haben mit rund 63 Prozent den weitaus größten Anteil am verbrauchten Geflügelfleisch (siehe Grafik unten).
Die Bezeichnung "Hähnchen" gilt übrigens für männliche und weibliche Masthühner gleichermaßen. In Fachkreisen werden Masthähnchen häufig auch als "Broiler" bezeichnet.

Geflügelarten
Wie groß ist der Anteil der Geflügelarten an der gesamten Geflügelfleischerzeugung in Deutschland (gemessen an den Schlachtmengen)?
Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von Daten der Fachserie 3, Reihe 4, Destatis, 2016

Bedeutend sind neben den Masthähnchen noch die Puten. Knapp ein Drittel des verbrauchten Geflügelfleischs in Deutschland stammt von ihnen. Auch in der Putenmast werden männliche und weibliche Tiere gemästet.

Knapp die Hälfte des Geflügels, das wir essen, stammt von heimischen Mastbetrieben. Der Rest wird eingeführt – hauptsächlich aus den Niederlanden und Polen.

Mastgeflügelerzeugung: intensiv und hochspezialisiert

In der Geflügelmast werden fast ausschließlich Tiere mit hoher Gewichtszunahme und guter Futterverwertung verwendet. Durch intensive Zucht hat man es geschafft, dass Masthühner heute viermal schneller wachsen als noch vor 65 Jahren: Brauchte ein Masthähnchen in den 1950er Jahren noch rund 120 Tage, um 1,5 Kilogramm auf die Wage zu bringen, erreichen heutige Masthybriden dieses Gewicht bereits nach 30 Tagen.

Produktionsstufen der Geflügelmast

1. Basiszucht: Diese liegt heute in der Hand weniger Zuchtunternehmen. Die Basiszuchtbetriebe erzeugen die Elterntierküken und verkaufen diese an die Vermehrungsbetriebe.
2. Vermehrungsbetrieb: Hier wachsen die Elterntierküken auf. Die Hähne begatten die Hennen. Die dabei entstehenden befruchteten Eier werden an die Brütereien verkauft.
3. Brütereien: Die befruchteten Eier der Elterntiere werden hier ausgebrütet. Männliche und weibliche Küken – die späteren Masttiere – werden an die Mastbetriebe geliefert.
4. Mastbetrieb: Hier werden die Masthähnchen und Mastputen bis zur Mastreife gemästet.

Die verschiedenen Abschnitte der Mastgeflügelerzeugung finden nicht in einem Betrieb statt. Die meisten Betriebe konzentrieren sich heute nur auf eine von vier Produktionsstufen (siehe Infokasten).

Wie werden Hähnchen und Puten auf dem Mastbetrieb gehalten?

Hähnchen und Puten werden in Deutschland überwiegend in Bodenhaltung auf Einstreu gemästet. In seltenen Fällen findet die Mast auch in Freilandhaltung statt. Freilaufende Masthähnchen sind vorwiegend auf Biobetrieben zu finden. Dort ist der Auslauf per Gesetz vorgeschrieben. Geflügelmästereien arbeiten in der Regel nach dem Rein-Raus-Verfahren. Das heißt, die Tiere einer Stalleinheit werden alle gleichzeitig ein- und wieder ausgestallt. Das hat den Vorteil, dass der Stall nach dem Ausstallen gründlich gereinigt und desinfiziert werden kann.

Besonderheiten bei der Haltung von Hähnchen und Puten:

Masthähnchen werden meist in geschlossenen Ställen gehalten. Dabei sorgen Belüftungsanlagen für frische Luft und Fenster für Tageslicht. Daneben gibt es die Mast in offenen Ställen mit natürlicher Lüftung. Sie ist jedoch weniger verbreitet. Männliche und weibliche Masthähnchen werden in einem Stall zusammen aufgestallt. Dort verbringen sie etwa fünf Wochen, bis sie mit rund 1,5 Kilogramm geschlachtet werden. Dieses Verfahren nennt man Kurzmast. Hähnchen, die für die Verarbeitung von Teilstücken, wie Keulen oder Brustfilets, vorgesehen sind, bleiben etwas länger. Sie werden in rund sieben Wochen bis zu einem Endgewicht von 2,5 Kilogramm gemästet. Der Gesetzgeber schreibt für Masthähnchen in Kurzmast vor, dass pro Quadratmeter maximal 35 Kilogramm Lebendgewicht gehalten werden dürfen. Das heißt: rund 23 Tiere teilen sich einen Quadratmeter Stallboden. Bei verlängerter Mast sind 39 Kilogramm zulässig, das sind umgerechnet etwa 16 Tiere pro Quadratmeter.

Quelle: Countrypixel - stock.adobe.com

Hähnchen- und Putenmast überwiegend in Großbetrieben

Fast 80 Prozent aller Masthühner in Deutschland werden in großen Betrieben mit mehr als 50.000 Plätzen gemästet. In kleineren Betrieben, mit weniger als 10.000 Mastplätzen, leben nur ein Prozent aller Masthühner.
Der Großteil aller Mastputen (> 90 Prozent) wird in Betrieben mit mehr als 10.000 Haltungsplätzen gehalten.

Mastputen werden im Unterschied zu Masthähnchen meist in sogenannten Offenställen gehalten. Diese Stallform bietet den Tieren eine natürliche Luft- und Lichtzufuhr. Es gibt allerdings auch Haltungen in geschlossenen Ställen. Männliche und weibliche Puten wachsen unterschiedlich schnell und werden daher getrennt aufgestallt: Die Hennen haben bereits nach 16 Wochen ihr Endgewicht von 10 Kilogramm erreicht. Die Hähne verbleiben noch sechs Wochen länger, bis sie 20 Kilogramm auf die Waage bringen.
Anders als bei Masthähnchen gibt es für die Putenmast in Deutschland bislang keine konkreten Rechtsvorschriften. Die Haltung erfolgt nach freiwilligen bundeseinheitlichen Eckwerten, die die deutsche Geflügelwirtschaft gemeinsam mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium entwickelt hat. Danach liegt die maximal zulässige Besatzdichte in der Putenmast bei 45 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter für Hennen und 50 Kilogramm für Hähne. Bei verbindlicher Beteiligung an einem Gesundheitskontrollprogramm kann die zulässige Besatzdichte sogar auf bis zu 52 Kilogramm bei Putenhennen und bis zu 58 Kilogramm bei Putenhähnen ausgeweitet werden.

Wie wird Mastgeflügel gefüttert?

In der Mast sollen die Hähnchen und Puten in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Muskelfleisch ansetzen. Um das zu erreichen, werden die Tiere mit einem einheitlichen Energie- und Nährstoffmix versorgt. Meist werden dafür sogenannte Alleinfuttermittel in Form von Pellets verwendet. Je nach Wachstumsabschnitt der Hennen werden diese in Starter-, Mast- und Endmastfutter unterteilt. Die darin enthaltenen Futterbestanteile sind optimal auf das jeweilige Alter der Tiere abgestimmt.

Die meisten Hähnchen und Puten leben in Niedersachsen

Der Schwerpunkt der deutschen Hähnchen- und Putenmast liegt in Niedersachsen. Dort leben knapp zwei Drittel aller deutschen Masthühner (2016) und 42 Prozent aller Mastputen.
Die größten Hähnchenmastbetriebe gibt es in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 143.000 Masthähnchen pro Betrieb. Die kleinsten Hähnchenmästereien sind in Rheinland-Pfalz zu finden: Die mittlere Bestandsgröße liegt dort bei 409 Tieren.

Basis dieser Alleinfuttermittel sind meist Getreide wie Weizen und Mais, die durch Soja-, Raps- und Sonnenblumenschrot ergänzt werden. Um das Leistungspotenzial der Tiere voll auszuschöpfen, werden häufig synthetisch hergestellte Aminosäuren zugesetzt. Letztere dürfen in der ökologischen Geflügelmast nicht verwendet werden. Dort sind auch Futtermittel, die gentechnisch erzeugt wurden, nicht erlaubt.

Das Gros der Geflügelmastbetriebe arbeitet flächenunabhängig. Das heißt, sie bewirtschaften keine oder nur sehr wenig eigene Flächen und erwirtschaften kein eigenes Futter. Das in der Geflügelmast verwendete Futter wird daher meist zugekauft.

Wie ist es um das Tierwohl bestellt?

Nicht nur Tierschützerinnen und Tierschützer, sondern auch zunehmend mehr Verbraucherinnen und Verbraucher stehen den Haltungsbedingungen in der Hähnchen- und Putenmast kritisch gegenüber. Hohe Besatzdichten und fehlendes Beschäftigungsmaterial führen nicht selten zu Auseinandersetzungen – mit der Folge, dass sich die Tiere gegenseitig verletzen. Um das zu vermeiden, wird Putenküken in der konventionellen Haltung meist der Schnabel gekürzt. In aller Regel betäubungslos, was den Tieren Schmerzen bereitet. Bei Masthähnchen wird auf diesen Eingriff verzichtet, da diese in der Regel nur fünf bis sieben Wochen leben. Ebenfalls in der Kritik steht die Auswahl der Zuchtlinien, die heute zum Einsatz kommen. Diese bewegen sich an der biologischen Leistungsgrenze. Das heißt, innere Organe und das Skelett können dem starken Muskelwachstum teilweise kaum noch standhalten. Kleinste Fehler im Management des Mastbetriebs können somit zu massiven Schäden am Tier führen.

Aufgrund dieser und anderer Probleme rückt die Mastgeflügelhaltung immer mehr in den Fokus der Tierwohlbemühungen. Ziel ist es, einen praktikablen und ökonomisch tragfähigen Konsens zwischen Verbrauchererwartungen und der Landwirtschaft zu finden. Derzeit gibt es verschiedene staatliche und nichtstaatliche Programme und Initiativen, die Anforderungen an das Tierwohl bzw. den Tierschutz definieren. Die Programme und Initiativen unterscheiden sich inhaltlich wie auch hinsichtlich der Produktionsrichtungen, die sie abdecken. Welche Tierschutzprogramme und -initiativen es gibt und welche Anforderungen diese stellen, hat das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) auf der folgenden Seite zusammengefasst:

Aktuelle Tierschutzprogramme und -initiativen

Ökologische Geflügelmast

Die ökologische Mastgeflügelhaltung in Deutschland ist bislang eine Nische. Ökogeflügelfleisch hat einen Marktanteil von gerade mal einem Prozent. Das Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher an Biogeflügel nimmt aber zu.

Was sind die Unterschiede zur konventionellen Haltung:

Ökoputen und -hähnchen werden langsamer gemästet. Laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau müssen die Tiere bei der Schlachtung ein Mindestalter haben: Masthähnchen zum Beispiel 81 Tage. Zum Vergleich: Konventionelle Hähnchen leben üblicherweise 30 Tage. Außerdem müssen Ökoputen und -hähnchen ins Freie dürfen: vorgeschrieben sind 10 Quadratmeter Grünauslauf pro Pute und vier Quadratmeter pro Masthähnchen. Dort können die Tiere ihr arttypisches Verhalten ausleben: ein Staubbad nehmen oder nach Samen und Insekten picken.

Auch im Stall müssen Ökohalter den Tieren mehr Platz gewähren: Maximal 21 Kilogramm Lebendgewicht und nicht mehr als 10 Tiere pro Quadratmeter sind zulässig. Synthetische Aminosäuren, wie sie in der konventionellen Fütterung eingesetzt werden, sind in der ökologischen Geflügelhaltung nicht erlaubt. Und auch der Einsatz von Antibiotika wird sehr viel restriktiver gehandhabt als in der konventionellen Haltung.


Weitere Informationen


Ist Pute und Truthahn das Gleiche?

Pute oder Haustruthuhn ist der offizielle Oberbegriff für die domestizierte Form des wildlebenden Truthuhns (Meleagris gallopavo).