Wie wird Kaffee angebaut?
Letzte Aktualisierung: 07. Oktober 2026
In Deutschland ist Kaffee das beliebteste Heißgetränk. Angebaut wird er in regenreichen Gebieten in den Tropen.
- Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee liegt in Deutschland bei 161 Litern pro Jahr.
- Angebaut wird Kaffee in den Tropen, nahe am Äquator, getrunken wird er aber vor allem in nördlichen Breiten.
- Kaffeebohnen sind die Samen eines immergrünen Strauches, sie werden aufbereitet und geröstet, um das typische Kaffeearoma zu entfalten.
- In den Anbauländern wird der Kaffee meist nur getrocknet, die weitere Verarbeitung findet in den Ländern statt, in denen der Kaffee konsumiert wird.
- Ein großer Teil der Wertschöpfung entsteht im Handel und bei der Weiterverarbeitung, die kleinbäuerlichen Anbaubetriebe erhalten nur einen sehr geringen Anteil.
- Wer einen gerechteren und nachhaltigeren Kaffeeanbau unterstützen will, kann beim Einkauf zu Fair-Trade-Kaffee greifen oder zu Kaffee aus Fair-Chain Projekten.
In Deutschland werden durchschnittlich etwa drei Tassen Kaffee am Tag getrunken. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2025 laut Deutschem Kaffeeverband bei rund 161 Litern im Jahr. Damit wird hierzulande mehr Kaffee konsumiert als in Ländern wie Italien oder Frankreich, die für ihre Kaffeetradition bekannt sind, aber weniger als in skandinavischen Ländern wie Finnland und Dänemark.
Woher importiert Deutschland seinen Kaffee und wie entwickeln sich die Preise?
Hauptsächlich bezieht Deutschland Kaffeebohnen - sowohl als Rohkaffee als auch geröstet - aus Brasilien, im Jahr 2025 waren es 383.000 Tonnen. Aus Vietnam kamen 236.000 Tonnen, aus Honduras 67.000. Insgesamt wurden im Jahr 2025 1,22 Millionen Tonnen Kaffee importiert.
Die Preise für Rohkaffee und in Folge auch die Preise für Kaffeeprodukte, unterliegen Schwankungen. Von der Tendenz her sind sie in den vergangenen Jahren aber stark gestiegen. Lag der Preis 2020 teils noch unter einem US-Dollar pro Pound (lbs), wurden 2022 schon Preisspitzen von über 2,50, im Jahr 2025 sogar von deutlich über 4 US-Dollar erreicht. Aktuell (Stand: September 2026) liegt der Preis bei knapp 3 US-Dollar pro Pound. Das entspricht umgerechnet etwa 5,50 Euro pro Kilogramm.
Wo wird Kaffee angebaut?
Angebaut wird Kaffee in den Tropen nahe dem Äquator, im sogenannten “Kaffeegürtel” zwischen dem 23. Breitengrad Nord und dem 25. Breitengrad Süd. Bezogen auf die Erntemenge ist Brasilien das mit Abstand wichtigste Erzeugerland, gefolgt von Vietnam und Kolumbien. Die größten Anbauflächen liegen in Brasilien, Indonesien und der Zentralafrikanischen Republik. Weltweit wurden im Jahr 2024 auf 12,5 Millionen Hektar Anbaufläche 11,3 Millionen Tonnen Kaffee geerntet.
Ein Großteil der Erzeugung stammt aus kleinbäuerlichen Betrieben. Rund 25 Millionen von ihnen erzeugen etwa 80 Prozent des weltweit geernteten Kaffees. In Brasilien gibt es aber auch große Plantagen.
Arabica oder Robusta? Zwei wichtige Arten!
Zwar gibt es mindestens 124 Arten in der Gattung der Kaffeepflanzen, für den kommerziellen Anbau sind aber im Wesentlichen zwei von Bedeutung: Arabica und Robusta. Auf Arabica-Kaffee, der von der Pflanzenart Coffea arabica stammt, entfallen rund 57 Prozent der globalen Kaffeeerzeugung.
Hätten Sie’s gewusst?
In Geschmack und Inhaltsstoffen unterscheiden sich Arabica und Robusta: Der Koffeingehalt ist bei Robusta-Kaffee etwa doppelt so hoch, Arabica bietet ein breiteres Geschmacksspektrum und gilt als höherwertig. Allerdings wirkt sich die Qualität der einzelnen Bohnen stärker aus als die Kaffeeart. Robusta wird für Kaffeemischungen mit kräftigem Geschmack und für Espresso verwendet.
Robusta-Kaffee stammt von der Pflanzenart Coffea canephora und kommt auf einen Anteil von knapp 43 Prozent. Es werden noch einige weitere Kaffeearten, wie Coffea liberica und Coffea stenophylla angebaut, sie haben derzeit aber wirtschaftlich kaum Bedeutung.
Arabica- und Robusta-Kaffeepflanzen haben unterschiedliche Standortansprüche. Robusta ist, wie der Name schon vermuten lässt, etwas widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten, Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit, dafür aber etwas kälteempfindlicher als Arabica. Angebaut wird Robusta-Kaffee daher eher im Flachland unterhalb von 700 Metern über dem Meeresspiegel.
Arabica-Kaffee wächst besser in höheren Lagen, da er auf zu hohe Temperaturen empfindlich reagiert und dann anfälliger für Rostkrankheiten und Schädlinge wird.
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Wie wächst Kaffee?
Kaffee wird aus den Früchten eines immergrünen Strauches gewonnen. Die Kaffeebohnen sind die Samen in den Kaffeefrüchten, die auch “Kaffeekirschen” genannt werden. In einer dieser Steinfrüchte liegen meist zwei Samen, sie sind außen abgerundet und an den zueinander weisenden Seiten flach. Die Kaffeekirschen werden bei der Reife zunächst gelblich, dann rot.
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Wie werden Kaffeepflanzen weiterkultiviert?
Aus Samen gewonnene Pflanzen werden in der Regel in Beeten angezogen und nach etwa zwei bis drei Monaten in einzelne Beutel umgepflanzt. Ins Feld gesetzt werden sie nach sechs bis neun Monaten, wenn sie acht bis neun Blattpaare besitzen.
Krankheiten und Schädlinge
Verschiedene Pilzkrankheiten können den Pflanzen zu schaffen machen, eine bedeutende ist zum Beispiel der Kaffee-Rost, verursacht durch den Pilz Hemileia vastatrix der 1867 in Sri Lanka die Kaffeeproduktion ruinierte. Neben dem Einsatz von Fungiziden helfen die Züchtung resistenter Sorten und eine strenge Hygiene beim Anbau, die Pilzkrankheiten einzudämmen.
Der meistbeachtete Schädling an Kaffee ist der Kaffeekirschenbohrer. Das Weibchen bohrt sich in die reifenden Kaffeekirschen und legt dort Eier ab, die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich von den Kaffeebohnen. Für eine Bekämpfung ist es wichtig, dass gründlich geerntet wird und abgefallene Früchte nicht auf dem Feld bleiben.
Die Entwicklung von Robusta-Sorten dauert etwas länger, sie werden erst nach elf bis 15 Monaten ausgepflanzt. Dafür sind sie bei der Fruchtentwicklung schneller: Die Bohnen reifen schneller als die von Arabica-Kaffee, sie benötigen etwa sechs Monate. Vier bis sechs Jahre nach der Pflanzung beginnen die Sträucher zu tragen. Das Ertragsmaximum wird in der Regel nach zehn bis fünfzehn Jahren erreicht.
Arabica-Sträucher können über fünf, Robusta-Sträucher sogar über zehn Meter hoch wachsen, werden aber für den Anbau durch Schnittmaßnahmen auf zwei bis drei Meter Höhe begrenzt. Das erleichtert Pflege- und Erntearbeiten und erhöht den Ertrag. Außerdem reguliert der Schnitt das Verhältnis zwischen Zweig- und Fruchtwachstum und hilft, Krankheiten einzudämmen. Zur Blüte kommen die Sträucher meist mit Beginn der Regenzeit, bis die Früchte erntereif sind, dauert es bis zu elf Monaten.
Wie werden die Kaffeebohnen geerntet?
Die Ernte erfolgt meistens von Hand. Dabei gibt es zwei Verfahren: Das “Picking” und das “Stripping”. Beim aufwendigeren “Picking” werden die Beeren einzeln gepflückt, sodass nur reife Kaffeekirschen geerntet werden.
Beim “Stripping” werden die Früchte abgestreift, sodass auch unreife Beeren im Erntegut landen. Eine maschinelle Ernte wird auf großen Plantagen in Brasilien eingesetzt, dabei werden die Kaffeesträucher gekämmt, was ebenfalls dazu führt, dass auch unreife Beeren geerntet werden.
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Trocken oder nass? Wie werden die Kaffeekirschen weiterverarbeitet?
Um die Kaffeebohnen aus den Früchten zu lösen, gibt es verschiedene Verfahren: Am weitesten verbreitet sind die trockene Aufbereitung und die nasse Aufbereitung. Man spricht dann je nachdem von ungewaschenem, beziehungsweise von gewaschenem Kaffee. Für die trockene Aufbereitung werden die Kaffeekirschen in der Sonne getrocknet. Die Hülle und das Fruchtfleisch trocknen dabei soweit ein, dass sie sich anschließend leicht maschinell entfernen lassen. Das Fruchtfleisch beeinflusst hierbei den Geschmack der Bohnen, sie sind etwas süßer.
Bei der nassen Aufbereitung wird das Fruchtfleisch in Wasserbädern entfernt und die Bohnen werden erst anschließend getrocknet. Gewaschener Kaffee hat ein säuerlicheres Aroma als ungewaschener. Neben den beiden Verfahren gibt es noch Zwischenstufen, wie die halbtrockene Aufbereitung, die aber nur selten angewendet werden. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vor allem von den klimatischen Bedingungen im Herkunftsland ab.
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Hell oder dunkel? Wie werden Kaffeebohnen geröstet?
Nach der Aufbereitung liegen die noch gräulich-grünen Kaffeebohnen vor, sie werden als “Rohkaffee” gehandelt. Anschließend werden die Bohnen geröstet. Meistens wird dafür ein Trommelröster genutzt, das ist ein horizontaler Zylinder, in dem die Bohnen bewegt und durch heiße Luft, die in der Mitte oder seitlich einströmt, erhitzt werden. Ein modernes Verfahren ist die Wirbelschichtröstung, bei der die Bohnen von einem sehr heißen Luftstrom aufwärts angeblasen und bewegt werden.
Erst bei der Röstung entwickeln sich die typischen Kaffeearomen. Wie heiß und wie lange geröstet wird, hat nicht nur Einfluss auf die Farbe, sondern auch auf den Geschmack und die Inhaltsstoffe der Bohnen. Stark gerösteter Kaffee wird für Kaffeezubereitungen mit kurzer Brühzeit verwendet, wie Espresso, hellere Röstungen eignen sich für Filterkaffee.
Geröstet werden die Bohnen größtenteils erst in den Importländern – in China, den USA und Europa. Deutschland ist innerhalb Europas der größte Abnehmer für Rohkaffee.
Ungleiche Wertschöpfung in der Kaffeelieferkette
Da beim Handel, der Röstung und der Weiterverarbeitung zu Kaffeeprodukten höhere Gewinne erzielt werden als im Anbau, erhalten die Anbaubetriebe in den Herkunftsländern nur einen sehr geringen Anteil an der Wertschöpfung. Meist stehen kleine Betriebe großen Abnehmern gegenüber, die die Preise zu ihren Gunsten beeinflussen können. So liegen die durchschnittlichen Löhne im Kaffeeanbau oft nicht nur deutlich unter dem jeweiligen Durchschnittsgehalt des Landes, sondern auch unter dem Durchschnittsgehalt für Tätigkeiten in anderen landwirtschaftlichen Sektoren.
In 17 Ländern konnte Kinderarbeit in kleinen Kaffeebetrieben aber auch in größeren Plantagen nachgewiesen werden. Unter anderem in Brasilien, Vietnam und Honduras – Länder, aus denen auch Deutschland Kaffees bezieht. Wer auf fairere Bedingungen beim Anbau achten möchte, kann zu Fair-Trade-Kaffee greifen. Noch etwas weiter gehen Fair-Chain-Projekte, die sich dafür einsetzen, dass auch die Röstung und weitere Verarbeitung des Kaffees im Anbauland stattfinden. Das schafft Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft und verbessert die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung.
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Welche ökologischen Auswirkungen hat der Kaffeeanbau?
Problematisch ist, dass für den Kaffeeanbau häufig Wälder gerodet werden. Nach Erhebungen des World Resources Institute wurden zwischen 2001 und 2015 rund 1,9 Millionen Hektar Wald in Kaffeeanbauflächen umgewandelt. Beim Robusta-Anbau waren die Waldverluste in Indonesien am größten, für den Arabica-Anbau mussten vor allem in Brasilien große Waldflächen weichen. Da Robusta-Kaffee in der vollen Sonne angebaut wird, sind die Waldverluste hier insgesamt höher als bei Arabica-Bohnen, die auch im Schatten gedeihen und häufiger in Agroforstsystemen unter höheren Bäumen angebaut werden.
Allgemein wächst Kaffee in Gebieten mit hohen Niederschlagsmengen. Allerdings verändern sich mit dem Klimawandel die Anbaubedingungen und Dürren werden häufiger. So wird auf großen brasilianischen Plantagen zunehmend Bewässerung eingesetzt. Auch kleinbäuerliche Betriebe in Vietnam fördern mit gezielter Bewässerung den Blütenansatz und den Ertrag, wodurch die Grundwasservorräte stark belastet werden. In Uganda gibt es Projekte zur Einführung von wassersparender Tröpfchenbewässerung.
Neben der Bewässerung trägt vor allem die nasse Aufbereitung zum hohen Wasserbedarf von Kaffee bei. Bei gewaschenem Kaffee entfällt der Großteil des eingesetzten Wassers auf die Aufbereitung. Bei Arabica-Kaffee ist die nasse Aufbereitung weit verbreitet, bei Robusta-Kaffee kommt sie nur selten zum Einsatz. Das anfallende Abwasser ist mit organischen Rückständen und teils auch ausgewaschenen Chemikalien belastet und wird häufig ungereinigt in Flüsse geleitet.
Hätten Sie’s gewusst?
Kaffeesträucher können auch als Zimmerpflanzen genutzt werden, sind jedoch recht anspruchsvoll: Sie benötigen einen hellen Standort, vertragen aber direkte Sonneneinstrahlung nur schlecht. Die Temperaturen sollten zwischen 18 und 22 Grad Celsius liegen und nicht zu stark schwanken. Auch bei der Wasserversorgung ist darauf zu achten, dass weder Staunässe noch Trockenheit entstehen. Das Gießwasser darf nicht zu kalkhaltig sein. Wer das alles gewährleisten kann, darf sich nach zwei bis drei Jahren über die ersten Blüten freuen. Wenn sich daraus Früchte bilden sollen, hilft es, sie mit einem Pinsel gegenseitig zu bestäuben.
Weitere Informationen
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Kaffee – Bohne mit edlem Aroma
