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Warum düngt der Bauer?

Um zu gedeihen, brauchen Pflanzen neben Sonnenlicht und Wasser auch Nährstoffe. Sonst leiden sie an Mangelerscheinungen und die Erträge sinken.

Landwirt mistet Stall
Der Nährstoffgehalt von Stallmist ist wechselhaft und niedriger als beim Mineraldünger.
Quelle: Turi - stock.adobe.com

Pflanzen brauchen Nährstoffe

Im Jahr 1828 identifizierte der Agrarwissenschaftler Carl Sprengel erstmals zwölf Stoffe als Nährstoffe, darunter Kalium, Magnesium, Stickstoff, Calcium und Schwefel, welche die Pflanze mit ihren Wurzeln aus dem Boden aufnimmt. Er fand heraus, dass bereits der Mangel an nur einem der Nährstoffe ausreicht, um das Wachstum zu beeinträchtigen.

Der Chemiker Justus von Liebig erkannte Mitte des 19. Jahrhunderts, dass durch die landwirtschaftliche Nutzung dem Boden beträchtliche Mengen an Nährstoffen entzogen werden. Er formulierte 1855 das Gesetz des Minimums: Es besagt, dass Wachstum und Ertrag der Pflanzen von demjenigen Nährstoff begrenzt werden, der sich im Minimum befindet. Jeder einzelne Nährstoff, der nicht in optimaler Menge zur Verfügung, steht wirkt wachstums- und ertragsmindernd.

Heute weiß man, dass höhere Pflanzen für das Wachstum mindestens 14 Mineralstoffe benötigen. Diese Stoffe nennt man Pflanzennährstoffe. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht durch andere Stoffe ersetzt werden können. Sie sind essenziell bzw. unersetzlich. Dabei unterscheidet man zwischen Haupt- und Spurennährstoffen. Von den Hauptnährstoffen benötigen die Pflanzen pro Hektar etwa 20 bis 250 Kilogramm, von den Spurennährstoffen 5 bis 500 Gramm pro Jahr.

Die 14 essenziellen Pflanzennährstoffe

HauptnährstoffeSpurennährstoffe
Stickstoff (N)Chlor (CI)
Kalium (K)Eisen (FE)
Calcium (Ca)Mangan (Mn)
Magnesium (Mg)Bor (B)
Phosphor (P)Zink (Zn)
Schwefel (S)Kupfer (Cu)
Molybdän (Mb)
Nickel (Ni)

Die Pflanzennährstoffe stammen aus verschiedenen Quellen:

  • dem Bodenvorrat,
  • zersetzten Pflanzenteilen,
  • organischen Düngern wie Stallmist, Gülle, Kompost und Klärschlamm,
  • mineralischen Düngern,
  • biologische Stickstoffbindung zum Beispiel durch Leguminosen,
  • Ablagerungen aus der Luft.

Diese Vorräte sind meistens nicht sofort für die Pflanze verfügbar. Pflanzen können nur solche Nährstoffe aufnehmen, die im Bodenwasser gelöst sind. Sie müssen erst durch Mikroorganismen und chemische Prozesse freigesetzt werden. In der dann wasserlöslichen Form können sie von der Pflanze aufgenommen werden.

Grundprinzip der Düngung

Jeder Wachstumszyklus entzieht dem Boden Nährstoffe, die mit dem Erntegut abtransportiert werden. Damit der Boden nicht stetig verarmt und das Pflanzenwachstum dadurch immer geringer wird, müssen die entzogenen Nährstoffe durch Düngung ersetzt werden. Das geschieht mit organischen Düngern, mit Mineraldüngern und auch mit einer Kombination aus beiden. Sie sichern damit langfristig hohe Erträge, erhalten die Bodenfruchtbarkeit und die Bodengesundheit.

Mineraldünger versorgen die Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt mit allen notwendigen Nährstoffen in der richtigen Menge. Eine richtig bemessene Düngung beeinflusst auch die Qualität des Ernteguts wie Geschmack, Nährwert (Gehalt an Fetten, Proteinen, Kohlehydraten, Vitaminen etc.) und ihre Eignung zur Weiterverarbeitung. Wird beispielsweise Weizen nicht ausreichend mit Stickstoff und Schwefel versorgt, so verschlechtert sich die Qualität des "Klebers", der die Backqualität bestimmt. Bei Zuckerrüben fördern Phosphor und Kali den Zuckergehalt.

Zur Bestimmung des Düngerbedarfs ermitteln Landwirtinnen und Landwirte mit einer Bodenuntersuchung die im Boden pflanzenverfügbaren Nährstoffe. Der Nährstoffentzug und damit der Nährstoffbedarf einer landwirtschaftlichen Kultur hängt von der Ertragshöhe und den Nährstoffgehalten des Erntegutes ab. Anhand von Tabellen kann die Landwirtin bzw. der Landwirt ihn relativ genau ermitteln.

Um den Düngebedarf zu ermitteln, zieht man vom Nährstoffentzug/ Nährstoffbedarf die pflanzenverfügbaren Nährstoffe ab. Wichtig ist, dass die Düngung gezielt erfolgt - zum richtigen Zeitpunkt und bedarfsgerecht.

Landwirtinnen und Landwirte versuchen die Düngermenge so zu bemessen, dass sie den wirtschaftlichen Optimalertrag, nicht etwa den Höchstertrag, erzielen. Düngen sie mehr als zum Erzielen des Optimalertrages notwendig ist, so sinkt der Erlös. Das liegt daran, das jedes zusätzliche Kilogramm Nährstoff mehr kostet als ein Mehrertrag an Erlös einbringen könnte.

Was bewirken Nährstoffe in der Pflanze?

Gülle, Stallmist, Kompost oder Mineraldünger?

Mineralische und organische Dünger unterscheiden sich in ihrer Wirkung.

Mineralische Dünger enthalten die Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form. Sie werden aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und entsprechen festgelegten Nährstoffnormen. Sie lassen sich exakt ausbringen und sind im Boden leicht löslich. Deshalb können sie zeit- und bedarfsgerecht in der Düngung ausgebracht werden. Die vier bedeutendsten mineralischen Düngemittel sind Stickstoffdünger, Phosphatdünger, Kalidünger und Kalkdünger. Sie stehen dem Anwender als Einzeldünger mit nur einem Nährstoff und als Mehrnährstoffdünger mit zwei und mehreren Pflanzennährstoffen zur Verfügung.

Organische Dünger enthalten die Nährstoffe in relativ geringen, oft sehr unterschiedlichen und nicht genau bewertbaren Konzentrationen. Sie sind überwiegend organisch gebunden und müssen von Mikroorganismen erst zersetzt werden, um die Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar zu machen. Temperatur, Feuchtigkeit und Sauerstoff, die die Zersetzung unterstützen, ändern sich häufig und machen eine exakte Düngerabstimmung auf den Bedarf der Pflanzen schwierig. Zu den organischen Düngern zählen Wirtschaftsdünger, Biogasrückstände und Sekundärrohstoffdünger.


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