Jauche, Brühe und Tee – fünf pflanzliche Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten im Garten
Letzte Aktualisierung: 20. Oktober 2025
Selbst hergestellte Pflanzenzubereitungen können im Garten bei der Regulierung von Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten helfen.
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In Kürze
- Für Pflanzenzubereitungen werden Pflanzenteile in Wasser vergoren (Jauche), gekocht (Brühe) oder als Tee zubereitet.
- Wird die Zubereitung auf kranke Pflanzen gesprüht, entfaltet sie ihre Wirkung gegen Pflanzenkrankheiten und –schädlinge.
- Pflanzenzubereitungen sind eine nachhaltigere aber auch weniger wirksame Alternative zu chemisch-synthetische Pflanzenschutzmitteln.
- Im Artikel werden Pflanzenzubereitungen aus Schachtelhalm, Zwiebeln, Brennnesseln, Weidenrinde und Kamillenblüten vorgestellt.
Bevor Sie im heimischen Gemüsegarten chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel einsetzen, sollten Sie erst einmal eine ganze Reihe anderer Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen in Erwägung ziehen. Dazu gehören die Anwendung von selbst hergestellten Zubereitungen aus Pflanzen oder Hausmitteln, das händische Absammeln von Schädlingen oder das Aufstellen eines Regenschutzes gegen Pilzkrankheiten.
Im Folgenden stellen wir Ihnen fünf Pflanzenzubereitungen vor. Der Vorteil der Zubereitungen ist, dass dafür Pflanzen verwendet werden, die häufig im Garten oder am Wegesrand zu finden sind, wie Schachtelhalm und Brennnesseln. Andere, wie Zwiebeln oder Kamillenblüten, sind in den meisten Küchen zu finden. Wer Probleme bei der Bestimmung der vorgestellten Pflanzen hat, findet Hilfe in Bestimmungsbüchern oder entsprechenden Apps wie Flora incognita.
Erfahren Sie, wie die Pflanzenzubereitungen hergestellt werden und gegen welche Krankheiten und Schädlinge sie helfen. Über die Links finden Sie Steckbriefe der Krankheiten und Schädlinge, um die Bestimmung zu erleichtern. Die gängigsten und einfachsten Formen, um die Inhaltsstoffe herauszulösen, sind, sie zu vergären (Jauchen), zu kochen (Brühen) oder mit heißem Wasser zu übergießen (Tee).
Die meisten der im Folgenden aufgeführten Pflanzenzubereitungen werden als sogenannte “Grundstoffe” klassifiziert, die im Haus- und Kleingarten zur Bekämpfung von Schädlingen und Schaderregern eingesetzt werden dürfen. Weitere Grundstoffe sind in unserem Beitrag zu Hausmitteln aufgeführt.
Was sind Grundstoffe?
Bei Grundstoffen (englisch: basic substances) handelt es sich um Stoffe und Gemische, die zwar keine Pflanzenschutzmittel sind, aber für diesen Zweck genutzt werden können. In der Regel sind Grundstoffe Produkte aus der Lebensmittelproduktion, wie zum Beispiel Essig, Fruktose, Sonnenblumenöl, Bier und Lecithine. Häufig sind außerdem Auszüge aus Pflanzen, wie Brennnesseln, Ackerschachtelhalm oder Zwiebeln.
Grundstoffe werden ähnlich wie Pflanzenschutzmittel behördlich zugelassen und dürfen auch in der gewerblichen Landwirtschaft eingesetzt werden. Detaillierte Informationen finden Sie in der Grundstoffdatenbank des Pflanzenschutzamts Berlin.
1. Ackerschachtelhalmbrühe
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Der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) hilft besonders gut gegen Pilzkrankheiten bei Obst und Gemüse, vor allem wegen seines hohen Gehalts an Kieselsäure. Die Kieselsäure kann man durch Kochen aus der Pflanze herauslösen. Die behandelte Pflanze nimmt sie über die Blätter auf. Dies sorgt dafür, dass die äußeren Zellgewebe der Pflanzen gefestigt werden, was es Pilzsporen erschwert, in das Pflanzengewebe einzudringen.
Herstellung: Für die Brühe benötigt man 150 Gramm frisches oder 20 Gramm getrocknetes Schachtelhalmkraut je Liter Wasser. Das Kraut wird kleingeschnitten und in einem großen Topf mit Wasser für eine halbe Stunde eingeweicht. Anschließend wird die Brühe für 45 Minuten gekocht und nach dem Abkühlen gefiltert. Vor der Anwendung wird die Brühe noch mit der zehnfachen Menge Wasser verdünnt. Die Schachtelhalmbrühe darf höchstens 24 Stunden aufbewahrt werden.
Anwendung: Die Brühe wird meist mit einer Sprühflasche auf die Blätter gesprüht, manchmal auch als Gießmittel an die Pflanzenwurzel gegeben.
Hilft gegen: verschiedene Pilzkrankheiten und Spinnmilben.
- Erdbeere, Himbeere: Grauschimmel, Echter Mehltau, Rote Wurzelfäule (gießen) und andere Pilzerkrankungen
- Gurken: Mehltaupilze, Wurzelpilze, wie Wurzelfäulen, Keimlingskrankheiten (gießen)
- Kartoffeln: Kraut- und Braunfäule, Alternaria-Blattflecken, Echter Mehltau
- Apfel, Pfirsich: Schadpilze wie Schorf, Echter Mehltau und Kräuselkrankheit
- Tomaten: Dürrfleckenkrankheit, Blattfleckenkrankheit
- Wein: Echter und Falscher Mehltau
2. Zwiebelbrühe
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Die schwefelhaltigen ätherischen Öle in Zwiebeln besitzen eine keimhemmende Wirkung und werden daher gegen Bakterien- und Pilzkrankheiten eingesetzt.
Herstellung: 50 Gramm gehackte Zwiebeln in einem Liter Wasser für 10 Minuten kochen und anschließend für 15 Minuten ziehen lassen, absieben und abkühlen lassen.
Anwendung: Die unverdünnte Brühe wird auf die befallenen Blätter gesprüht.
Hilft gegen: verschiedene Pilzkrankheiten.
- Gurken: Grauschimmel
- Kartoffeln: Alternaria-Blattflecken
- Tomaten: Kraut- und Braunfäule
3. Brennnesseljauche
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Brennnesseljauche ist ein idealer Flüssigdünger für den Garten. Im Garten hilft sie auch gegen viele verschiedene Insekten und Pilzkrankheiten, fermentiert dafür allerdings kürzer.
Herstellung: 750 Gramm frische oder 150 Gramm getrocknete Brennnesselpflanzen grob zerkleinern und in einem Eimer mit zehn Litern Wasser aufgießen und offen stehen lassen. Wichtig ist es, das Gemisch jeden Tag zu rühren, um den Gärungsprozess zu fördern. Optimal ist eine Gärung bei 20 Grad Celsius, dann ist das Extrakt schon nach drei bis vier Tagen fertig.
Bei niedrigeren Temperaturen benötigt es mehr Zeit. Abschließend wird die Jauche durch ein Tuch gefiltert. Die vergorenen Pflanzenreste kann man auf den Kompost werfen. Bei der Vergärung entsteht ein unangenehmer Geruch, der durch die Zugabe von Gesteinsmehl etwas abgemildert werden kann. Vor der Anwendung wird das Mittel im Verhältnis 1:5 mit Wasser verdünnt.
Anwendung: Das Extrakt wird mit der Sprühflasche auf die Pflanzenteile gesprüht, auf der sich die Schädlinge befinden.
Hilft gegen: verschiedene Pilzkrankheiten, Insekten und Spinnmilben.
- Alle Gemüse und Salate, Obst- und Nussbäume, Zierpflanzen: Blattläuse
- Stein- und Kernobst: Apfelwickler, Schwarzfäule, Fruchtfäule, Grauschimmel, Schimmelpilze
- Kartoffeln: Kraut- und Braunfäule
- Bohnen: Spinnmilben
- Kohlgewächse (Kohl, Rettich, Radieschen): Kohlmotten, Erdflöhe, Alternaria
- Wein: Spinnmilben, Falscher Mehltau
- Gurken: Echter Mehltau, Alternaria
4. Weidenrindentee
Quelle: Dirk Schmidt
Weidenrindentee wird gegen bestimmte Pilzkrankheiten bei Obstgehölzen eingesetzt. Wer einen Weidenbaum auf dem Grundstück oder in der Nähe hat, hat so schnell ein Mittel bereit.
Herstellung: Die Rinde wird von jungen und frischen Weidenzweigen mit einem Messer abgeschält und luftig im Schatten getrocknet. Während der Blüte sollte für den Insektenschutz nicht geschnitten werden. Auf einen Liter Wasser werden sieben Gramm getrocknete Weidenrinde benötigt. Zuerst wird das Wasser auf 80 Grad erhitzt, dann die Weidenrinde hinzugefügt und die Temperatur für zwei Stunden gehalten, zum Beispiel im Backofen. Bei höheren Temperaturen zersetzen sich die Wirkstoffe. Anschließend kühlt der Sud ab, wird fein gefiltert und mit der dreifachen Menge Wasser verdünnt. Der fertige Sud darf höchstens 24 Stunden aufbewahrt werden.
Anwendung: Der unverdünnte Weidenrindentee wird auf die befallenen Blätter gesprüht. Er wirkt besser bei kühlem und regnerischem Wetter.
Hilft gegen: verschiedene Pilzkrankheiten bei Obstgehölzen.
- Apfel: Apfelschorf, Mehltau
- Pfirsich: Kräuselkrankheit
- Wein: Echter und Falscher Mehltau
5. Kamillentee
Quelle: BLE/Thomas Stephan
Echte Kamille wächst wild in vielen Gärten oder am Wegesrand und kann leicht im Garten angebaut werden. Die Echte Kamille hat einen kegelförmigen Blütenboden (der gelbe Innenbereich) und riecht intensiv beim Zerreiben. Wer keine Kamille sammeln möchte, kann auch auf gekauften Kamillentee zurückgreifen. Der starke Geruch hilft gegen viele Insekten -vermutlich, weil er den Geruch der Gemüsepflanzen überdeckt. Deshalb wirkt Kamillentee auch vorbeugend. Viele Gärtnerinnen und Gärtner schwören auch auf eine Schutzwirkung gegen Pilzkrankheiten. Kamille ist kein zugelassener Grundstoff, ein Versuch lohnt sich aber trotzdem.
Herstellung: Der Tee wird wie ein üblicher Kamillentee hergestellt, also mit etwa vier Esslöffeln getrockneter Kamillenblüten je Liter kochendem Wasser. Blätter und Stängel müssen vorher nicht entfernt werden, allerdings befinden sich die Wirkstoffe hauptsächlich in den Blüten und die Menge muss entsprechend erhöht werden. Den Tee mindestens 10 bis 15 ziehen lassen oder bis er abgekühlt ist und anschließend filtern.
Anwendung: Den abgekühlten Tee auf die Pflanzen sprühen.
Hilft gegen: Insekten, vor allem vorbeugend.
- Obst, Gemüse, Zierpflanzen: Blattläuse, Raupen wie Kohlweißling, Möhrenfliegen und andere Insekten
Wie und warum wirken Pflanzenzubereitungen?
Pflanzenzubereitungen wie Jauchen, Brühen oder auch Tees - zum Beispiel aus Ackerschachtelhalm oder Brennnesseln - wurden schon zu Großmutters Zeiten verwendet, um Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Es gibt zahlreiche Gärtnerinnen und Gärtner, die auf die Wirkung solcher pflanzlichen Zubereitungen schwören, und auch in der Gartenliteratur und im Internet findet man viele Empfehlungen und Rezepturen dazu. Dennoch ist manchmal Vorsicht angebracht: Nicht alle üblichen Pflanzenzubereitungen sind harmlos, denn der Sprühnebel könnte der Gesundheit von Mensch und Tier schaden. Deshalb sollten im Garten unter anderem keine Zubereitungen aus Schafgarbe, Beifuß, Wermut oder Rainfarn eingesetzt werden.
Leider gibt es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen, die die Wirkung von Pflanzenzubereitungen belegen und diese sind zum Teil widersprüchlich. Doch generell gilt auch im Garten der Grundsatz "Wer heilt, hat recht". Wer also positive Erfahrungen mit Pflanzenzubereitungen sammelt, sollte damit weitermachen.
Erfahrungen und Beobachtungen haben Gärtnerinnen und Gärtnern gezeigt, dass manche Pflanzen sehr stark unter dem Befall durch gewisse Schädlinge und Krankheiten leiden, andere dagegen weniger. Dieser Effekt wird auf die unterschiedlichen Inhaltsstoffe zurückgeführt, die jeder Pflanzenart zu eigen sind. Manche dieser Inhaltsstoffe hemmen zum Beispiel die Entwicklung von pflanzenschädigenden Pilzsporen und Bakterien.
Andere sorgen dafür, dass Schadinsekten vom Fressen und Saugen an der Pflanze abgehalten werden. Diese Eigenschaften hat man sich zunutze gemacht, indem man die Inhaltsstoffe in geeigneter Weise aus dem Zellgewebe der Pflanzen herauslöste, um andere Pflanzen damit zu behandeln.
Weitere Informationen
Gartenakademie Rheinland-Pfalz: Biologischer Pflanzenschutz
