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Jauche, Brühe und Co. – fünf pflanzliche Mittel gegen Schädlinge im Garten

Selbst hergestellte Pflanzenzubereitungen können im Garten bei der Regulierung von Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten helfen.

Hand hält Sprayflasche und sprüht Flüssigkeit auf Kirschblätter an einem sonnigen Tag
Zahlreiche Pflanzenzubereitungen lassen sich mit einer Sprühflasche auf die Pflanzen aufbringen.
Quelle: FotoDuets via Getty Images

Bevor man im heimischen Gemüsegarten chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel einsetzt, sollte man erst einmal eine ganze Reihe anderer Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen in Erwägung ziehen. Eine davon ist die Anwendung von selbst hergestellten Pflanzenzubereitungen. Sinn und Zweck dieser Spritz- und Gießmittel ist es, in Kombination mit anderen Maßnahmen für eine Stärkung und Gesunderhaltung der Pflanzen zu sorgen, sodass ein Befall durch Schädlinge und Krankheiten auf ein vertretbares Maß reduziert wird.

Pflanzenzubereitungen wie Jauchen, Brühen oder auch Tees - zum Beispiel aus Ackerschachtelhalm oder Wermut - wurden schon zu Großmutters Zeiten verwendet, um Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Es gibt zahlreiche Gärtnerinnen und Gärtner, die auf die Wirkung solcher pflanzlicher Zubereitungen schwören, und auch in der Gartenliteratur findet man viele Empfehlungen und Rezepturen dazu. Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es leider nur wenige und die wenigen sind zum Teil widers prüchlich. Doch generell gilt auch im Garten der Grundsatz "Wer heilt, hat recht". Wer also positive Erfahrungen mit Pflanzenzubereitungen sammelt, sollte damit weitermachen.

Wie und warum wirken Kräuterzubereitungen?

Erfahrungen und Beobachtungen haben Gärtnerinnen und Gärtnern gezeigt, dass manche Pflanzen sehr stark unter dem Befall durch gewisse Schädlinge und Krankheiten leiden, andere dagegen weniger. Dieser Effekt wird auf die unterschiedlichen Inhaltsstoffe zurückgeführt, die jeder Pflanzenart zu eigen sind. Manche dieser Inhaltsstoffe hemmen zum Beispiel die Entwicklung von pflanzenschädigenden Pilzsporen und Bakterien. Andere sorgen dafür, dass Schadinsekten vom Fressen und Saugen an der Pflanze abgehalten werden.

Diese Eigenschaften hat man sich zunutze gemacht, indem man die Inhaltsstoffe in geeigneter Weise aus dem Zellgewebe der Pflanzen herauslöste, um andere Pflanzen damit zu behandeln. Die gängigsten und einfachsten Formen, um die Inhaltsstoffe herauszulösen, sind, sie zu vergären (Jauchen), zu kochen (Brühen) oder mit heißem Wasser zu übergießen (Tee).

Die Liste der möglichen Pflanzenjauchen, -brühen und -tees ist lang. Im Folgenden stellen wir exemplarisch fünf der häufiger erwähnten Pflanzenzubereitungen vor und verweisen für andere auf die einschlägige Gartenliteratur. Der Vorteil der vorgestellten Zubereitungen ist, dass dafür Pflanzen verwendet werden, die oftmals als "Unkraut" im Garten oder am Wegesrand zu finden sind. Andere wie Knoblauch oder Zwiebelschalen sind in der Küche zu finden. Wer Probleme bei der Bestimmung der vorgestellten Kräuter hat, findet Hilfe in Bestimmungsbüchern oder entsprechenden Apps wie Flora incognita.

Ackerschachtelhalmbrühe

Grüne Ackerschachtelhalmpflanzen liegen auf einem Holzbrett, daneben liegen eine Schere und ein Leintuch.
Ackerschachtelhalm findet man zwischen Mai und August häufig als Unkraut im Garten.
Quelle: Madeleine_Steinbach via Getty Images

Der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) wird vor allem wegen seines hohen Gehalts an Kieselsäure als wertvoll in Bezug auf Schädlinge und Krankheiten bewertet. Die Kieselsäure kann man über das Kochen aus der Pflanze herauslösen. Die Pflanze nimmt sie über die Wurzeln und Blätter auf. Dies sorgt dafür, dass die äußeren Zellgewebe der Pflanzen gefestigt werden, was es Pilzsporen und so manchem saugenden Insekt erschwert, in das Pflanzengewebe einzudringen.

Herstellung: 1,5 Kilogramm frische Ackerschachtelhalmpflanzen in zehn Litern Wasser 24 Stunden einweichen. Dann eine Stunde kochen, zugedeckt abkühlen lassen und anschließend durch ein Tuch abseihen.

Anwendung: Die Brühe wird vorbeugend in der Regel im Verhältnis 1:5 verdünnt entweder als Gießmittel an die Pflanzenwurzel gegeben oder mit einer Sprühflasche auf die Blätter gesprüht.

Hilft gegen: verschiedene Pilzkrankheiten und Spinnmilben

Knoblauch- oder Zwiebeltee

Verschiedene Zwiebeln und Knoblauch auf Holztisch
Zwiebeln oder Knoblauch sind in den meisten Haushalten oft verfügbar.
Quelle: ChamilleWhite via Getty Images

Die schwefelhaltigen ätherischen Öle in Knoblauch und Zwiebeln besitzen nachweislich eine keimhemmende Wirkung und werden daher gegen Bakterien- und Pilzkrankheiten verwendet. Außerdem wird ihnen eine Wirkung gegen Schadinsekten nachgesagt.

Herstellung: 70 Gramm Knoblauch oder 20 Gramm Zwiebelschalen mit einem Liter kochendem Wasser überbrühen, abseihen und abkühlen lassen.

Anwendung: Der unverdünnte oder leicht verdünnte (1:2) Tee wird vorbeugend mit einer Sprühflasche auf die Pflanzen gesprüht.

Hilft gegen: verschiedene Pilzkrankheiten, aber auch gegen einige Milben (wie die Erdbeermilbe), der Zwiebeltee soll zudem Möhrenfliegen abwehren.

Rainfarnbrühe

Grüne Blätter und gelbe Blüten des Rainfarn vor unscharfem Hintergrund
Rainfarn findet man zwischen Juli und August. Verwendet wird die gesamte oberirdische Pflanze mit Stängel, Blättern und Blüten.
Quelle: Nikilay Gluhov via Getty Images

Rainfarn wird eine allgemeine Wirkung gegen Schadinsekten nachgesagt.

Herstellung: 200 Gramm frische Rainfarnpflanzen grob zerkleinern und in fünf Litern Wasser für etwa 30 Minuten kochen. Die Brühe abkühlen lassen und anschließend durch ein Tuch filtern.

Anwendung: Die Brühe wird unverdünnt mit einer Sprühflasche auf die Pflanzen gesprüht, auf denen sich die Schädlinge befinden.

Hilft gegen: verschiedene Pflanzenschädlinge; vor allem Erdbeerblütenstecher, Erdbeermilben, Brombeermilben und Himbeerkäfer; außerdem die Pilzkrankheiten Rost und Mehltau.

Brennnesseljauche

Brennnesseln mit Flüssigkeit in einem schwarzen Eimer
Brennnesseln wachsen beinahe weltweit und sind auch in Deutschland weit verbreitet.
Quelle: waldenstroem via Getty Images

Brennnesseljauche ist ein idealer Flüssigdünger, soll in starker Verdünnung aber auch gegen Blattläuse und Spinnmilben helfen.

Herstellung: Ein Kilogramm frische Brennnesselpflanzen grob zerkleinern und in einem Eimer mit zehn Litern Wasser aufgießen und offen stehen lassen. Wichtig ist es, das Gemisch alle ein bis zwei Tage zu rühren, um den Gärungsprozess zu fördern. Bereits nach zwei Tagen beginnt die Jauche zu gären und ist bei warmer Witterung nach etwa zwei Wochen fertig vergoren. Erkennbar ist dies daran, dass sie beim Rühren nicht mehr schäumt. Abschließend wird die Jauche durch ein Tuch gefiltert. Die vergärten Pflanzenreste kann man auf den Kompost werfen. Bei der Vergärung entsteht ein unangenehmer Geruch, der durch die Zugabe von Gesteinsmehl etwas abgemildert werden kann.

Anwendung: Als Mittel gegen Blattläuse und Spinnmilben muss die Jauche 1:50 verdünnt und mit einer Sprühflasche auf die Pflanzenteile gesprüht werden, auf denen sich die Schädlinge befinden.

Hilft gegen: Blattläuse und Spinnmilben

Wermutbrühe

Nahaufnahme von frischen grünen Blättern von Artemisia absinthium (Wermut, großer Wermut, Absinth oder Absinthium), in einem Garten in einem sonnigen Frühlingstag Hintergrund mit weichem Fokus fotografiert
Wermut kann als mehrjähriges Kraut das ganze Jahr über zu einer Brühe verarbeitet werden. In der Blütezeit von Juni bis September ist der Gehalt an Inhaltsstoffen jedoch höher.
Quelle: Cristina Ionescu via Getty Images

Wermut wird eine Wirkung gegen verschiedene Schadinsekten nachgesagt.

Herstellung: 300 Gramm frische Wermutpflanzen in zehn Litern Wasser für etwa 30 Minuten aufkochen, abkühlen lassen und anschließend durch ein Tuch filtern.

Anwendung: Die Wermutbrühe wird zwei- bis dreifach verdünnt mit einer Sprühflasche auf die Pflanzen gesprüht, auf denen sich die Schädlinge befinden.

Hilft gegen: Blattläuse, Spinnmilben, Apfelwicklerraupen und andere Schadinsekten

Zu beachten ist, dass die Kräuterzubereitungen, die in erster Linien gegen Schadinsekten eingesetzt werden, nicht selektiv sind und somit auch solche Insekten schädigen können, die als Nützlinge gelten. Daher sollte man diese Mittel, auch wenn sie natürliche Ausgangsstoffe enthalten, mit Vorsicht und nur gegen die entsprechenden Schadinsekten verwenden.

Letzte Aktualisierung: 8. Mai 2024


Weitere Informationen

Gartenakademie Rheinland-Pfalz: Biologischer Pflanzenschutz

Nabu: Auszüge, Jauche und Aufgüsse


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