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Dem Ackerbauern über die Schulter geschaut

Ob natürliche Zusammenhänge, Umgang mit moderner Technik oder Vermarktung - Ackerbäuerinnen und -bauern müssen heute auf allen Feldern Profis sein.

Luftbild Weizenernte
Mähdrescher mit automatischen Lenksysteme und Sensortechnik vereinfachen die Arbeit und ermöglichen eine möglichst verlustarme Ernte des Getreides.
Quelle: landpixel.de

Der reife Weizen schimmert goldgelb, die Sonne scheint, es ist bestes Erntewetter. Im Juli und August steht die Getreideernte an. Der Landwirt schneidet einige Ähren ab, reibt die Körner aus und misst in einem Messgerät den Feuchtigkeitsgehalt des Weizens. Ist er trocken genug, um mit der Ernte zu beginnen?

In den Körnern darf höchstens 14,5 Prozent Wasser enthalten sein, wenn die Ware gelagert oder an einen Händler verkauft wird. Ist das Getreide zu feucht, muss es getrocknet werden. Sonst würde es im Lager verderben. Da so ein Trocknungsdurchgang wegen der hohen Energie- und Arbeitskosten aber teuer ist, versucht jeder Landwirt, möglichst trocken zu ernten. Wenn es viel regnet wie im Sommer 2017, wird die Ernte zum Geduldsspiel. Der Ackerbauer ist bei allem, was er tut, vom Wetter abhängig.

Der Boden ist das wertvollste Gut

Die Ernte ist der Lohn für fast ein Jahr Arbeit auf dem Feld. Ganz gleich, ob Getreide, Raps, Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben angebaut werden – vor der Aussaat oder dem Pflanzen steht immer die Bearbeitung des Bodens. Der Boden ist das wertvollste Gut eines jeden Ackerbauern. Es gilt, ihn stetig zu verbessern, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und das Bodenleben zu stärken. Er wird von Generation zu Generation weitergegeben. Nachhaltiges Wirtschaften und Denken ist deshalb für eine Landwirtin oder einen Landwirt keine Floskel, sondern oberstes Gebot.

Bei der Bodenbearbeitung wird der Boden gelockert, Pflanzenreste werden eingearbeitet, damit sie von den Bodenlebewesen wie zum Beispiel den Regenwürmern in wertvollen Humus umgewandelt werden können. Zunehmend setzen die Ackerbauern auf die so genannte konservierende Bodenbearbeitung, bei der auf das Wenden des Bodens, wie es der Pflug macht, verzichtet wird. Stattdessen werden Grubber eingesetzt, mit denen der Boden in unterschiedlichen Tiefen gelockert und durchmischt wird. Dadurch bleibt die Struktur des Bodens besser erhalten, die Bodenlebewesen werden nicht gestört.

Ein pfluglos bearbeiteter Boden ist weniger anfällig gegen Wind- und Wassererosionen und trocknet nicht so schnell aus. Allerdings können bei dieser Variante der Bodenbearbeitung Unkräuter und Ausfallpflanzen zu einem Problem werden, weil sie sich stetig vermehren können. Deshalb wird auf diesen Flächen häufiger als beim Einsatz des Pfluges das derzeit viel diskutierte Totalherbizid Glyphosat eingesetzt, um Problemunkräuter und -gräser wie beispielsweise Ackerfuchsschwanz in den Griff zu bekommen.

Auswahl der Fruchtfolge je nach Standort

Je nach Bodengüte und Ausrichtung des Betriebes wählt der Ackerbauer die Früchte aus, die er anbauen möchte. Er legt dabei für jedes Feld eine so genannte Fruchtfolge fest, also welche Früchte er in welcher Reihenfolge in den nächsten Jahren anbaut. Denn nur ein Wechsel der Früchte bringt nachhaltige Erträge, sonst drohen Krankheiten oder eine Vermehrung der Schaderreger im Boden. 

"Abhängig vom Standort ist eine Rotation zwischen Sommerungen (Sommergerste, Zuckerüben, Mais) und Winterungen (Wintergerste, Roggen und Winterweizen) sehr vorteilhaft für den vorbeugenden Pflanzenschutz. Wenn irgend möglich versuchen wir auf unserem Betrieb diesen Wechsel umzusetzen, dies ist natürlich auch abhängig von den Marktbedingungen. Mit dem Anbau von Zwischenfrüchten stabilisieren wir die Struktur unserer Böden und füttern die Bodenorganismen, auch das trägt zur Gesunderhaltung bei und gewährleistet die nachhaltige Leistungsfähigkeit unserer Felder", beschreibt Adolf Dahlem das Vorgehen in der Praxis. Er bewirtschaftet mit seiner Familie einen Ackerbaubetrieb in Gundersheim bei Alzey.

Die meisten Getreidearten wie Wintergerste, Roggen und Winterweizen werden im Herbst mit der Sämaschine ausgesät. Der Winterraps muss bereits Anfang September in den Boden, um vor dem Winter genügend Blätter auszubilden. Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben sowie Sommergetreide wie Braugerste werden im Frühjahr gesät oder gepflanzt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wird derzeit etwa die Hälfte der Fläche der Bundesrepublik Deutschland landwirtschaftlich genutzt. Von den 16,7 Millionen Hektar sind knapp 71 Prozent Ackerland und 28 Prozent Grünland. Beim Ackerbau hat in Deutschland der Getreideanbau die größte Bedeutung.

Pflanzen ernähren und schützen

Ab dem Frühjahr beginnt die Arbeit auf dem Acker. Sind die jungen Pflanzen aufgelaufen, geht es darum, die Bestände vor der Konkurrenz durch die Unkräuter und -gräser sowie vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen, die den Ertrag und die Qualität beeinträchtigen. Wissenschaftler der FAO haben 2008 ausgerechnet, dass ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Erträge vieler Kulturpflanzen um etwa ein Drittel weltweit sinken würden, vor allem bei wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln und Getreide.

Die Pflanzenschutzmittel werden in Wasser gelöst mit hochmodernen Pflanzenschutzspritzen ausgebracht, die die Mittel zielgenau auf der Pflanze applizieren. "Während der Vegetation kontrollieren wir unsere Felder fortlaufend auf Schädlingsbefall, nutzen Prognosemodelle und eigene Erfahrungswerte, um so wenig wie möglich Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Nur so können wir die bislang vom Handel geforderten Qualitäten zu den erzielbaren Marktpreisen erzeugen", erklärt Dahlem.

Pflanzen brauchen nicht nur Schutz vor Krankheiten und Schädlingen, sie brauchen auch Nährstoffe, um wachsen zu können. Dazu zählen neben Stickstoff vor allem Kalium und Phosphor, aber auch Spurenelemente wie Schwefel, Magnesium und Mangan. Die Nährstoffe können in Form von organischen Düngemitteln wie Mist, Gülle oder Kompost gegeben werden oder aber als Mineraldünger, bei denen die anorganischen Nährstoffe sofort für die Pflanze verfügbar sind und nicht erst aus den organischen Verbindungen umgewandelt werden müssen. Der Mineraldünger hat den Vorteil, dass seine Zusammensetzung immer gleich ist und die Landwirtin oder der Landwirt die Düngermengen exakt kalkulieren kann. Die Zusammensetzungen der organischen Dünger können schwanken, je nach Tierart und Fütterung.  

Höchstgrenzen für Stickstoff

Mit der Düngung steuern Landwirtinnen und Landwirte Pflanzenwachstum und Ertrag, aber auch die Qualität und die Inhaltstoffe im Korn oder in den Kartoffeln. Sie orientieren sich bei der Düngemenge an dem zu erwartenden Ertrag, der Bodenart und der Bodengüte. Dabei beziehen sie auch die Nährstoffvorräte im Boden mit ein, die durch Bodenproben regelmäßig ermittelt werden.

In Deutschland regelt die Düngeverordnung, wieviel Stickstoff und Phosphat der Ackerbauer zur Versorgung der Pflanzen ausbringen darf. Es gelten seit 2017 eng festgelegte Höchstwerte. "Die optimale Nährstoffversorgung unserer Pflanzen ist eine besondere Herausforderung. Eine gute Leistung können nur gesunde und gut ernährte Pflanzen bringen. Hier spielt der Boden, aber auch die Witterung eine sehr große Rolle und genau hier liegt das Problem. Trotz aller modernen Hilfsmittel können wir nie genau sagen wie beispielsweise das Wetter der kommenden Wochen wird. Wir werden alles daransetzen um hier noch besser zu werden, denn der Schutz des Grundwassers ist uns ein besonderes Anliegen", so Dahlem.

Mit Hilfe moderner Technik gelingt es, Dünger und Pflanzenschutzmittel genau dort zu platzieren, wo sie hingehören. Die Satellitentechnik und Bordcomputer auf den Traktoren helfen dabei, die Abstände zu Gewässern oder anderen Kulturen exakt einzuhalten. Alle Arbeiten und die Mengen der ausgebrachten Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden dokumentiert, so dass sie jederzeit nachvollzogen werden können. Die digitale Technik erledigt die Aufzeichnungen zum Teil bereits automatisch. Die Landwirtschaft ist ein moderner Arbeitsplatz geworden und digitale Techniken unterstützen den Landwirt bei allen Arbeiten.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist ein Wirtschaftsunternehmen

Dennoch bedeutet die Arbeit eines Ackerbauern weit mehr als nur auf dem Traktor zu sitzen. Ein Ackerbauer muss neben Kenntnissen in der Pflanzenernährung und der Bodenkunde auch ein technisches Verständnis haben, um die Maschinen zu warten und eventuell selber zu reparieren. Diese Arbeiten werden vor allem in den Wintermonaten erledigt, wenn die Arbeit auf dem Feld ruht. 

Ebenfalls zum Winterprogramm gehören Fortbildungen und Planungsaufgaben, denn ein landwirtschaftlicher Betrieb ist ein Wirtschaftsunternehmen, in dem Buchführung und Büroarbeiten zum Alltag gehören. Außerdem muss der Landwirt heute ein Profi in Sachen Vermarktung sein. Es gilt, den richtigen Verkaufszeitpunkt für Getreide oder Kartoffeln zu wählen, weil die Marktpreise starken Schwankungen unterworfen sind und sich immer mehr am Weltmarkt orientieren. Risikomanagement und Preisabsicherungen sind für den Ackerbauern keine Fremdwörter mehr. Es kann sein, dass er die Ernte schon verkauft hat, bevor er im Sommer auf den Mähdrescher steigt oder im Herbst auf den Kartoffelroder.


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): Landwirtschaft verstehen – Fakten und Hintergründe


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