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Samen und Ableger ernten: Gemüse und Obst selbst vermehren

Letzte Aktualisierung: 10. März 2026

Wer Gemüse oder Obst anbaut, kann die vorhandenen Pflanzen selbst vermehren und so Geld für den Kauf von Saatgut oder Jungpflanzen sparen. Auch aus vielen Gemüsen, die in der Küche verarbeitet werden, lassen sich neue Pflanzen ziehen.

Verschiedene Gemüsesämlinge in Anzuchttöpfen
Gemüse und Obst lassen sich leicht selbst vermehren.
Quelle: photovs via Getty Images

In Kürze


Fast alle Pflanzen lassen sich entweder aus Samen oder aus anderen Pflanzenteilen vermehren. Damit kann man sich nicht nur den Kauf von Saatgut oder Jungpflanzen für die nächste Gartensaison sparen, man kann auch die Gemüse- und Obstpflanzen, die sich im eigenen Garten besonders gut entwickelt haben, gezielt weiter vermehren.

Welche Vermehrungsmethoden gibt es?  

Grundlegend lassen sich zwei Methoden der Vermehrung unterscheiden:

Die Vermehrung über Samen (generativ)

Samen entstehen aus bestäubten Blüten. Die Nachkommen sind genetisch verschieden von der Mutterpflanze.

Die Vermehrung über Pflanzenteile (vegetativ)

Pflanzenteile wie Seitentriebe, Knollen oder Ableger werden dazu gebracht, Wurzeln zu bilden. Die Nachkommen sind genetisch mit der Mutterpflanze identisch.

Was muss ich bei der Vermehrung von Obst und Gemüse beachten?

Vermehrung über Samen:

Vorsicht Gift:

Vorsicht ist bei der Aussaat von Zucchini und Kürbissen geboten:
Da man in der Regel nicht weiß, mit welchem Pollen die Mutterpflanze bestäubt wurde, kann es passieren, dass giftige Bitterstoffe aus Zierkürbissen in die Samen eingekreuzt sind. Diese können zu Übelkeit oder Herzrasen führen und schlimmstenfalls sogar tödlich sein. 

Mehr Informationen zu bitteren Kürbissen finden Sie beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE).

Wer sein eigenes Saatgut gewinnen möchte, sollte samenfeste Sorten wählen. Denn bei diesen haben die Nachkommen die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanze. Anders sieht es bei F1-Hybriden aus, deren Nachkommen völlig unterschiedlich aussehen können. Ob es sich um einen F1-Hybriden handelt, ist auf der Saatgutpackung oder dem Jungpflanzentopf angegeben.

Für die Gewinnung von Saatgut muss die Mutterpflanze bis zur Samenreife angebaut werden. Für Gemüse, von dem normalerweise die Blätter, Triebe oder Wurzeln geerntet werden, verlängert sich dadurch die Kulturzeit erheblich. Viele Pflanzen wie Möhren, Mangold oder Kohl blühen erst in ihrem zweiten Lebensjahr. Bei den meisten Gemüsearten liefert eine einzelne Pflanze mehr als genug Saatgut für den Hobbygarten. 

Die Pflanze lässt man Blüten und Früchte bilden, während die anderen schon geerntet werden. Die Mutterpflanze sollte nicht in der Nähe einer blühenden nah verwandten Pflanzen stehen. Denn bei einer Fremdbestäubung fallen die Nachkommen sehr unterschiedlich aus. Das ist zum Beispiel bei Möhren leicht möglich, wenn wilde Möhren in der Nähe wachsen. Viele Gemüsearten bestäuben sich allerdings vollständig oder größtenteils selbst.

Eine Hand legt Tomatensamen in einer mit Erde gefüllten Multitopfplatte ab.
Die gewonnenen Samen können wie gewohnt ausgesät werden.
Quelle: Yevheniya Tuzinska via Getty Images

Von welchem Gemüse und welchem Obst kann ich Samen ernten?

Durch Aussaat lassen sich Tomaten und Paprika, Salat, sowie Bohnen und Erbsen leicht vermehren:

Tomaten:

Um Tomatensamen zu gewinnen, sollte man die dafür ausgesuchten Früchte lange ausreifen lassen. Dann löst man das Fruchtfleisch mit den Samen aus der Frucht, streicht sie auf ein Stück Küchen- oder Backpapier und lässt sie gut trocknen. Gut getrocknete Tomatensamen können bis zu fünf Jahre lang gelagert werden.

Bei Tomaten sind F1-Hybriden sehr verbreitet, daher sollte man hier besonders darauf achten, das Saatgut nur aus samenfesten Sorten zu gewinnen. Auch Tomaten aus dem Supermarkt sind meist F1-Hybride.

Die Blüten bestäuben sich in der Regel selbst. Dennoch ist eine gegenseitige Bestäubung möglich, wenn die Mutterpflanze neben anderen Sorten steht, was zu uneinheitlichen Nachkommen führt.

Paprika und Chili:

Auch bei Paprika und Chili ist es wichtig, das Saatgut nur aus voll ausgereiften Früchten zu gewinnen. Die kleinen Körner sind dann nicht mehr weiß, sondern goldgelb. Aus den Schoten lassen sich die kleinen Samen leicht mit einem Messer oder Löffel abstreifen. Legt man sie anschließend in Wasser, kann man taube, nicht keimfähige Samen gleich aussortieren: Sie schwimmen oben. Die anderen Samen auf einer trockenen Unterlage ausbreiten und an einem warmen Ort gut trocknen lassen. 

Die meisten Paprika und Chilis aus dem Supermarkt sind F1-Hybride. Es lassen sich zwar Samen gewinnen, die Nachkommen sind jedoch recht uneinheitlich.

Salat:

Salat hat den Vorteil, dass er sich selbst befruchtet. Das heißt, die Gefahr, dass sich andere Sorten oder Arten einkreuzen, ist relativ gering. Es reicht, wenn die Mutterpflanzen einige Meter Abstand zu anderen Salatpflanzen haben. Samen sollten nicht von den Pflanzen gewonnen werden, die zuerst blühen. Denn sonst vermehrt man auch die Eigenschaft, früh zu schießen. Die winzigen Samen wachsen wie beim Löwenzahn in kleinen “Pusteblumen”. Wenn der Blütenboden abtrocknet, können sie mit der Hand abgestreift werden. Die Schirmchen müssen nicht entfernt werden.

Die Pflanzen zur Samengewinnung müssen früh, am besten im Februar oder Anfang März, ausgesät werden, damit die Samenreife in die trockenste Jahreszeit fällt. Bald bildet der Salat lange Triebe und wird recht groß. Die Blütenstiele sollten gestützt und die Pflanzen regelmäßig ausgeputzt, das heißt von fauligen Blättern befreit werden. Bei feuchter Witterung lohnt es sich, die Pflanzen zu überdachen, damit das Saatgut bei der Ausreife trocken bleibt. Die winzigen Samen wachsen wie beim Löwenzahn in kleinen “Pusteblumen”. Wenn der Blütenboden abtrocknet, können sie mit der Hand abgestreift werden. Die Schirmchen müssen nicht entfernt werden.

Bohnen und Erbsen:

Bohnen und Erbsen zur Saatgutgewinnung werden erst geerntet, wenn die Hülsen brüchig und trocken sind. Die Ernte sollte nur bei trockenem Wetter stattfinden. Die Hülsen werden dann an einem trockenen Ort zwei bis drei Wochen nachtrocknet. Das fördert die Nachreife der Samen und erhöht ihre Keimfähigkeit. Die Samen werden erst dann aus den Hülsen gelöst, wenn diese sich leicht brechen lassen. Die Bohnen- und Erbsensamen sollten so trocken sein, dass sie sich nicht mit einem Fingernagel einritzen lassen. Wenn doch, trocknet man sie noch nach.

Obstarten, die sich durch Samen gut vermehren lassen, sind Physalis, Maracuja und Zitrusfrüchte. Sie sind in unseren Breiten allerdings nicht winterhart. Wer ein Gewächshaus oder einen Wintergarten hat, kann die Pflanzen jedoch auch hier anbauen.

Obstbäume veredeln

Eine Besonderheit ist das Veredeln von Obstbäumen. Dabei wird ein Zweig der gewünschten Sorte auf ein anderes Bäumchen aufgesetzt. Die beiden Pflanzen verwachsen an der Veredlungsstelle miteinander und bilden schließlich eine einzige Pflanze.

Vegetative Vermehrung über Pflanzenteile:

Viele Pflanzen lassen sich leichter vegetativ vermehren als aussäen. Ob und welche Pflanzenteile sich für die vegetative Vermehrung eignen, hängt von der Pflanzenart ab. Manche lassen sich leicht teilen, andere bilden von sich aus schon Ableger und wieder andere können durch Stecklinge vermehrt werden.

Teilen lassen sich vor allem horstig (grasbüschelartig) wachsende Pflanzen wie Schnittlauch oder Ingwer. Sie werden ausgegraben und samt Wurzelwerk vorsichtig auseinandergezogen. Die einzelnen Teile werden dann getrennt wieder eingepflanzt.

Ableger oder Ausläufer bilden sich an manchen Pflanzen ganz von allein. Erdbeeren zum Beispiel, bilden lange Triebe, an deren Enden sich kleine Jungpflanzen bilden. Sie können abgetrennt und einzeln gepflanzt werden.

Stecklinge sind kurze Zweig- oder Triebstücke, die von der Mutterpflanze abgetrennt werden und in Wasser oder Erde Wurzeln bilden. 
 

Eine Hand steckt einen abgeschnittenen Olivenzweig in einen Topf mit Erde.
Bei der vegetativen Vermehrung werden Pflanzenteile bewurzelt.
Quelle: Bilal photos via Getty Images

Welches Gemüse und welches Obst kann ich vegetativ über Pflanzenteile vermehren?

Die vegetative Vermehrung eignet sich für Obst und Gemüse, von dem Samen nur schwer zu gewinnen sind, oder die nur schlecht keimen. Außerdem muss man sich bei vegetativer Vermehrung keine Gedanken um Fremdbefruchtung oder F1-Hybriden machen.

Besonders leicht vegetativ vermehren lassen sich Kartoffeln, Erdbeeren, Schnittlauch und Physalis.

Kartoffeln:

Kartoffelknollen kann man behandeln wie Saatgut: Legt man sie in die Erde, keimen sie aus und bilden neue Pflanzen. Im Gegensatz zu Samen sind Kartoffelknollen aber vegetative Teile der Mutterpflanze, das heißt, sie besitzen auch nur deren Erbgut. 

Wenn man Pflanzkartoffeln ernten möchte, müssen diese vollständig im Boden abreifen. Dafür wartet man nach dem Absterben des Kartoffelkrauts noch zwei bis drei weitere Wochen. Von den geernteten Kartoffeln wählt man dann unversehrte kleine bis mittelgroße Knollen aus. Aus einer Pflanzkartoffel ergibt sich ein Ertrag von ungefähr einem Kilogramm, oft mehr. Pflanzkartoffeln werden wie Speisekartoffeln gelagert: Kühl aber frostfrei und trocken, optimal sind vier bis sechs Grad Celsius. Mehr Tipps finden Sie in unserem Artikel zur Ernte und Lagerung von Kartoffeln.

Um gesunde, kräftige Pflanzen zu erhalten, ist es sinnvoll, die Kartoffeln vor dem Pflanzen vorkeimen zu lassen. Das heißt, dass man sie offen an einem hellen und trockenen Ort liegen lässt. Nach einigen Tagen zeigen sich an den Knollen die ersten Triebe. Dann können sie ins Beet gelegt werden.

Eine Hand legt eine vorgekeimte Kartoffel in ein Beet.
Kartoffeln werden vorgekeimt und dann ins Beet gelegt.
Quelle: PavelRodimov via Getty Images

Erdbeeren:

Erdbeeren bilden Ausläufer und vermehren sich damit fast von allein. Um sie gezielt zu vermehren und ins Beet zu bringen, muss man nur die kleinen Pflänzchen von den Mutterpflanzen trennen und an den gewünschten Ort pflanzen. Da Erdbeerpflanzen meist nicht länger als drei Jahre gute Erträge bieten, kann man so den eigenen Erdbeerbestand regelmäßig verjüngen und erneuern.

Physalis:

Physalis lassen sich zwar gut über Samen vermehren, allerdings kann das mit den sehr feinen Samen recht umständlich werden. Leichter, und vor allem auch schneller, geht es über Stecklinge. Dazu schneidet man aus den Trieben Teilstücke mit zwei bis drei “Knoten”. Das sind die Stellen, an denen die Blätter entspringen. Am unteren Knoten werden die Blätter entfernt und der Stängel knapp darunter abgeschnitten. Oberhalb werden ein oder zwei Knoten samt Blättern belassen. 

Sind die Blätter sehr groß, kann man sie halbieren. Die Teilstücke werden in lockere, gerne auch sandige Erde gesteckt. Werden die Pflanzen regelmäßig feucht gehalten, bilden sich bald Wurzeln und neue Triebe. Die frostempfindliche Physalis lässt sich mithilfe von Stecklingen an einem hellen und frostfreien Ort überwintern.

Einfach teilen: Schnittlauch, Basilikum und Rhabarber

Schnittlauch wächst in buschigen Horsten, die mit der Zeit struppig und uneinheitlich werden. Dann ist es Zeit, die Pflanzen durch Teilung zu verjüngen und zu vermehren. Man gräbt die Pflanze dazu aus und trennt sie vorsichtig durch seitliches Auseinanderziehen in mehrere kleine Teile. Jedes Einzelteil sollte dabei gut bewurzelt sein. Die einzelnen Teilstücke können dann getrennt neu eingepflanzt werden. Teilen funktioniert auch bei Rhabarber.

Ähnlich kann man auch mit Basilikum vorgehen, das als Küchenkraut im Topf gekauft wurde. In einem Topf wachsen zu viele Pflanzen und es wird bald zu eng. Nimmt man die Pflanzen heraus, lassen sie sich leicht vereinzeln und auf mehrere Töpfe oder im Balkonkasten verteilen.

Abgeschnittene Enden von Frühlingszwiebeln in einem Wasserglas.
Frühlingszwiebeln bilden leicht Wurzeln.
Quelle: Mehriban Aliyeva via Getty Images

Was versteht man unter dem neuen Trend “Regrowing”?

Regrowing ist das Vermehren von Pflanzen aus Küchenabfällen. Bei der Verarbeitung von Gemüse in der Küche fallen oft Reste an, die aus vermehrbaren Pflanzenteilen bestehen. So kann man zum Beispiel die Stängelbasis von Küchenzwiebeln, Lauch oder Zitronengras in einem Wasserglas dazu anregen, Wurzeln zu bilden. Man kann sie aber auch direkt in Erde pflanzen. Aus diesen Stücken entstehen dann bei guter Pflege wieder neue Pflanzen.

Bei Ananas kann man den Schopf mit dem oberen Teil der Frucht abschneiden und einpflanzen, auch daraus entsteht eine neue Pflanze. Mit etwas Glück und bei guten Bedingungen kann sich nach einigen Jahren sogar eine neue Frucht bilden.

Und bei manchen Pflanzen lautet der beste Vermehrungstipp sogar: Nichts tun!

Rucola und Borretsch zum Beispiel, samen sich selbst stark aus und verbreiten sich im Garten von ganz allein. Dann muss man im Folgejahr nur schauen, wo die kleinen Jungpflanzen auftauchen.
 

Borretschblüte vor blauem Himmel und Gräsern.
Borretsch sät sich selbst aus.
Quelle: Hayriye Tellioğlu via Getty Images

Weitere Informationen

NABU: Regrowing – neues Gemüse aus Gemüseresten

MDR: Eigenes Saatgut aus Pflanzen selbst gewinnen und lagern

Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V.: Aus eins mach viele – Pflanzenvermehrung im Garten: Teil 2 Vegetative Vermehrung

Bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Gartencast


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