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Landwirtschaft gestern und heute

Die Landwirtschaft hat sich in den letzten 50 Jahren grundlegend verändert. Viel weniger Landwirte ernähren heute viel mehr Menschen.

Ein neuer Massey Fergusson Schlepper neben einem Oldtimer der gleichen Marke
Schleppergenerationen
Quelle: Christian Mühlhausen - landpixel.eu

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Abwanderung vieler bäuerlicher Arbeitskräfte zur Folge. "Arbeit" wurde gegenüber dem "Boden" und dem eingesetzten "Kapital" immer teurer. Die Folge: Arbeitskräfte wurden durch Maschinen ersetzt, körperlich anstrengende Tätigkeiten durch technische Hilfsmittel erleichtert, es kam zu einer intensiven Mechanisierung in der Landwirtschaft. Umgekehrt stiegen die Anforderungen an die Managementfähigkeiten der Unternehmer. Ein einzelner Landwirt konnte im Laufe der Zeit immer mehr Boden bewirtschaften und Tiere halten. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche je Betrieb stieg stetig an, dabei sank die Anzahl der Beschäftigten und der Betriebe.

Spezialisierung - vor allem in der Tierhaltung

In den Betrieben wurden jedoch nicht nur immer mehr und modernere Maschinen eingesetzt, sondern die Betriebe spezialisierten sich auch. Vor allem in der Hühnerhaltung, der Rinder- und Schweinemast (den sogenannten Veredelungsbetrieben) haben sich hoch technisierte Betriebe mit einer inzwischen regional relativ großen Zahl von Tieren pro Flächeneinheit entwickelt.

Die beachtlichen Produktionszuwächse der vergangenen 50 Jahren sind aber nicht allein auf die Mechanisierung und Spezialisierung zurückzuführen. Neue Saatgutsorten, Dünge- oder Pflanzenschutzmittel führten zu steigenden Erträgen der Nutzpflanzen. In der Tierproduktion wurden deutliche Leistungssteigerungen durch Zuchtfortschritte, erhöhten Kraftfuttereinsatz, optimierte Fütterung und Haltung sowie intensive veterinärmedizinische Betreuung erzielt. Die Tiere wurden in kürzerer Zeit auf ihr Schlachtgewicht gemästet, legten mehr Eier oder gaben mehr Milch im vergleichbaren Zeitraum. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Betriebe, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus wirtschaften und beispielsweise auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichten.

Grafik: Versorgungsleistung der Landwirtschaft
Versorgungsleistung der Landwirtschaft
Quelle: BLE

Was leistet die heutige Landwirtschaft?

Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen hat also auch in der Landwirtschaft die Produktivität stark zugenommen. Immer mehr Menschen können von einem Hektar Nutzfläche ernährt werden. Ein Beispiel: Der Ertrag für einen Hektar Weizen lag vor rund 100 Jahren bei gerade mal 1.850 Kilogramm, heute liegt der Weizenertrag bei rund 8.100 Kilogramm. Durch die starke Mechanisierung kann ein Landwirt heute etwa 157 Menschen ernähren, 1950 waren es dagegen nur 10 und 1900 gerade mal 4.

Die zunehmende Produktivität hat aber auch dazu geführt, dass immer weniger Menschen in der Landwirtschaft arbeiten. Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts verdienten 38 Prozent aller deutschen Erwerbstätigen ihr Brot in der Landwirtschaft. 50 Jahre später waren es noch 24 Prozent und Anfang des 21. Jahrhunderts nur noch 2 Prozent.

Landwirte verdienen immer weniger an Lebensmitteln

Doch obwohl Landwirtinnen und Landwirte immer produktiver werden, verdienen sie immer weniger an den von ihnen produzierten Lebensmitteln. Von einem Euro, den der Verbraucher für Lebensmittel ausgibt, erhält der Landwirt heute nur noch etwa 23 Cent. Zum Vergleich: Anfang der 1970iger Jahre waren es noch rund 48 Cent und 1950 sogar noch ca. 63 Cent.

Wir bezahlen immer weniger für Lebensmittel

Insgesamt nimmt der Anteil der Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel an den gesamten Konsumausgaben seit Jahren kontinuierlich ab. Heute geben wir in Deutschland weniger als 14 Prozent unserer Konsumausgaben für Nahrungsmittel und Getränke aus. 1950 waren es noch 44 Prozent.

Aufgeteilt in die verschiedenen Produktionssparten sieht das Bild aber sehr unterschiedlich aus. Bei Milch und Milcherzeugnissen beträgt der Anteil an den Nahrungsmittelausgaben der Verbraucher 42 Prozent, bei Brotgetreide nur noch knapp 5 Prozent.