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Schweine - mit oder ohne Ringelschwanz?

Um zu verhindern, dass sie sich gegenseitig verletzen, werden Ferkeln die Schwänze gekürzt. Wie könnte man das in Zukunft vermeidbar machen?

Schweinegruppe
Schwein mit intaktem Ringelschwanz
Quelle: BLE

Manche Schweine, die im Stall unter Stress geraten, beginnen damit, andere Tiere zu schädigen. Bei Schweinen kann es passieren, dass sie ihren Artgenossen die Schwänze abbeißen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und nicht immer zu beeinflussen. Um Verletzungen der Tiere untereinander zu verhindern, werden die Schwänze der Ferkel gekürzt, im Fachjargon heißt das kupieren – dieser Eingriff erfolgt ohne Betäubung.

Das Wohlergehen landwirtschaftliche Nutztiere wird Verbraucherinnen und Verbrauchern immer wichtiger. Sie können sich nicht vorstellen, dass Schweinen die Schwänze gekürzt werden müssen. Aber auch viele Tierhalterinnen und Tierhalter wollen ihre Tiere besser halten. Ein schrittweiser Verzicht auf das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen in der landwirtschaftlichen Praxis wäre also wünschenswert.

Gesetzlich ist das Kupieren der Schwanzspitze von Schweinen sowohl auf europäischer Ebene als auch national ohnehin nur im Ausnahmefall zulässig, wenn durch andere Maßnahmen Schwanzbeißen nicht verhindert werden kann.

Eine Landwirtin, die wir besucht haben, berichtet, dass es manchmal ohne das Kürzen der Schwänze nicht mehr geht. Ihr liegt das Wohl ihrer Tiere sehr am Herzen und dementsprechend schwer kann sie Verletzungen ihrer Tiere untereinander ertragen: "Sie möchten das nicht erleben, welche Verletzungen da auftreten, wenn die Schweine sich wirklich beißen. Dann ist es manchmal besser, die Schwänze etwas zu kürzen, nur so viel wie nötig. Und dann kehrt wieder Ruhe ein."

Maßnahmen, um das Schwanzbeißen zu verringern

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt die Forschung, damit "herausgefunden werden kann, welche Faktoren beispielsweise in der Legehennenhaltung zum "Federpicken" führen oder welche Maßnahmen ergriffen werden können, um das Schwanzbeißen bei Schweinen zu reduzieren. Um die durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zu testen, gibt es das BMEL-Projekt "Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz".

Und das funktioniert so: Landwirtschaftliche Betriebe erhalten Fördermittel, wenn sie dabei mitmachen, die Erkenntnisse aus der Forschung in der Praxis auszuprobieren. Dabei werden sie umfassend beraten, indem Tierberaterinnen und -berater zu ihnen kommen und mit ihnen die Gesundheit der Tiere prüfen und Probleme feststellen. Teilnehmende Landwirtinnen und Landwirte vermitteln die erfolgversprechenden Maßnahmen gegen das Schwanzbeißen ihren Fachkolleginnen und -kollegen über Vorträge und Veranstaltungen weiter. Außerdem besuchen sich die teilnehmenden Praktiker auch gegenseitig, um ihre Erfahrungen auszutauschen. So werden neuste Erkenntnisse und innovative Entwicklungen zum Minimieren des Risikos von Schwanzbeißen schnell in die Praxis transferiert.

BZL-Broschüre

So leben Schweine

Wussten Sie, dass Schweine zu den klügsten Säugetieren gehören? Sie haben einen ausgeprägten Spiel- und Erkundungstrieb und sind sehr saubere Tiere. Diese und weitere interessante und überraschende Fakten über Schweine vermittelt das kleine Heft kurz, kompakt und leicht verständlich.

Zur Broschüre

Erste Erkenntnisse zu Fütterung, Lüftung, Platzangebot

Die Landwirtinnen und Landwirte haben festgestellt, dass Veränderungen bei der Fütterung, bei der Lüftung und bei der Wasserversorgung dazu führen, dass die Schweine sich wohl fühlen. Sie leben stressfreier, zufriedener und gesünder. Das sehen die Landwirte am Verhalten der Tiere. Die Schweine legen sich hin, wenn sie zufrieden und satt sind, sie suhlen sich, wenn Wasser von oben auf sie herabsprenkelt.

Ein Landwirt hat beispielsweise mit einem innovativen Lüftungskonzept für optimales Klima im Stall gesorgt. Ein Wärmetauscher unterstützt höhere Luftraten, ohne dass dabei „Durchzug“ entsteht. Gleichzeitig werden per Unterflur-Absaugung Schadgase über der Gülle abgesaugt und aus dem Stall heraus gelenkt, ohne dass die Tiere damit in Kontakt kommen.

Außerdem bietet der Landwirt seinen Tieren eine stressreduzierte Fütterung. Mit innovativer Technik werden den Schweinen, je nach Alter, bis zu 70 Mal in 24 Stunden bedarfsgerecht zusammengestellte Portionen serviert. Als Ergebnis haben die Landwirte entspannte und gesunde Schweine, bei denen Futterneid kein Thema ist.

Die Landwirte probieren viel aus, damit die Tiere ausreichend beschäftigt sind und sich nicht aus Langeweile gegenseitig die Schwänze anknabbern. Durch eine Reduzierung der Anzahl der Tiere im Stall, hat das einzelne Tier mehr Platz. Und die Tierhalterinnen und Tierhalter beobachten die Tiere, um die Maßnahmen beurteilen zu können.

Einblick in einen konventionellen Schweinehaltungsbetrieb

Der Landwirt Martin Stodal hält auf seinem Betrieb 250 Sauen, 1.500 Ferkel und 1.500 Mastschweine. Seit 2015 beteiligt sich der Landwirt an den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz. Der Landwirt hat sich bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen und erklärt, wie er Schweine mit Ringelschwanz hält.

Ganz wichtig ist dem Landwirt die intensive Beobachtung seiner Tiere, für die er sich täglich viel Zeit nimmt. Nur so bemerkt er frühzeitig die Signale, die dem Schwanzbeißen vorangehen. Der Schwanz ist für ihn ein wichtiger Anzeiger für das Wohlbefinden der Ferkel.

Martin Stodal weiß: Wenn der Schwanz nach oben wedelt, ist alles gut. Wenn er nach unten wedelt, wenn er eingezogen ist wie ein Hund, dann ist das kritisch. Dann passt der Landwirt ganz besonders auf und gibt den Tieren mehr Beschäftigung, eventuell eine Kette und mehr Einstreu aus gemahlenem Stroh. Damit der Landwirt direkt bei den ersten Anzeichen reagieren kann, ist es sehr wichtig, dass die Tiere am Tag mindestens zweimal, besser dreimal kontrolliert werden.

Wenn Sie mehr über das Thema wissen möchten, können Sie sich auf dem BZL-YouTube-Kanal ein Video über den Betrieb ansehen.
Zum Video: Reduzierung des Risikos von Schwanzbeißen bei unkupierten Ferkeln


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